Zalando-Hauptversammlung : Jeder könnte 180 Millionen Euro verdienen

Die Vergütung der Zalando-Chefs hängt jetzt stärker von der Entwicklung ihres Unternehmens ab. Aktionäre sind skeptisch, aber freuen sich über das Wachstum.

Zalando-Hauptversammlung in Berlin, mit Vorstandsvorsitzender Robert Gentz, Rubin Ritter, David Schneider.
Zalando-Hauptversammlung in Berlin, mit Vorstandsvorsitzender Robert Gentz, Rubin Ritter, David Schneider.Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Die Aktionäre von Zalando haben auf der Hauptversammlung am Mittwoch mehrheitlich einem neuen Vergütungsmodell für die drei Vorstandschefs und Gründer, Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter, zugestimmt. Sie erhalten künftig ein jährliches Grundgehalt von 65 000 Euro statt der bisherigen 200 000 Euro. Dazu kommt eine variable Vergütung in Form von Aktienoptionen, die ihnen viele Millionen bescheren kann. Jeder erhält für die kommende fünfjährige Amtsperiode Optionen für 1,75 Millionen Aktien, von denen der Großteil nach vier Jahren zu Geld gemacht werden kann.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Lanz sagte, nach den festgelegten Bedingungen könnte jede Option im günstigsten Fall etwa 103 Euro wert sein. Das wären in Summe dann 180 Millionen Euro für jeden der drei. Voraussetzung dafür sind ein steigender Aktienkurs und ein durchschnittlicher Anstieg des Jahresumsatzes von je 15 Prozent. „Wenn der Aktienkurs nicht steigt oder das Wachstum ausbleibt, dann bekommen die Vorstandsmitglieder nichts. Das ist im deutschen Bereich einmalig“, sagte Lanz.

Eine Diskussion, die sie nicht führen wollen

Marc Tüngler ist Aktionärsvertreter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Er meinte dazu: „Ich möchte mich nicht in fünf Jahren mit dem Justizminister über die Causa Zalando unterhalten, weil die Vorstandsgehälter exorbitant durch die Decke gehen. Da wird eine Diskussion auf Sie zukommen, die Sie auf keinen Fall führen wollen.“ Selbst wenn die drei jeweils einen dreistelligen Millionenbetrag bekommen würden, entgegnete Lanz, sei das für deutsche Verhältnisse zwar viel, im europäischen Vergleich aber nicht. „Im Gegensatz zu anderen Vorständen haben sie sich auch nicht in ein gemachtes Nest gesetzt, sondern haben dieses Unternehmen als Gründer selbst erschaffen.“

Der Modehandelskonzern will das Online-Shopping für den einzelnen Kunden noch stärker personalisieren, also auf Grund von Daten so genau wie möglich auf den individuellen Geschmack zuschneiden. Die Chefs versprechen sich viel vom „Beauty-Bereich“. Das Parfüm- und Kosmetikgeschäft wollen sie wie das Partnerprogramm mit großen Bekleidungsherstellern ausbauen. Das Angebot soll vergrößert und das Wachstumsziel von 20 bis 25 Prozent Umsatzplus in diesem Jahr wieder erreicht werden. Dies sei „durchaus ambitioniert“, sagte Co-Vorstandschef Rubin Ritter. Bedeute es doch eine Milliarde Euro zusätzliches Geschäft. Im vergangenen Jahr wurden 350 neue Marken hinzugefügt – darunter Weekday und Oysho.

Kritik an zu wenig nachhaltigen Produkten

2017 erzielte Zalando einen Umsatz von 4,5 Milliarden Euro. Das waren 23,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Ritter kündigte an, das Unternehmen werde in diesem Jahr in zwei weiteren europäischen Ländern starten. Wo genau, wollte er aber noch nicht mitteilen. Derzeit ist Zalando in 15 Märkten aktiv. Zudem will Zalando seinen Anteil am europäischen Modemarkt, der aktuell bei 1,3 Prozent liegt, in den nächsten drei Jahren verdoppeln und langfristig vervierfachen.

Generell zeigten sich die Aktionäre zufrieden. Nicht so erfreut waren sie darüber, dass sie auch in diesem Jahr keine Dividende erhalten. Der Bilanzgewinn 2017 in Höhe von 130 Millionen Euro wird für Investitionen in neue Logistikzentren, den Vertrieb und Technik genutzt. In diesem Jahr sollen dafür 350 Millionen Euro ausgegeben werden, 100 Millionen mehr als 2017. Der Kunde soll dadurch noch schneller sein Paket bekommen und einfachere Möglichkeiten haben, es wieder zurückzugeben, falls die Ware nicht gefällt.

Die Frauenrechtlerin Gisela Burckhardt, Vorsitzende der Organisation Femnet, kritisierte außerdem, dass es viel zu wenig nachhaltig produzierte Produkte gebe. Und das, wo Zalando doch „die Plattform für nachhaltige Mode werden wolle“. Sie wies auf schlechte Arbeitsbedingungen und extrem niedrige Gehälter für Textilarbeiterinnen etwa in Bangladesch hin. Vorstand Gentz räumte ein, Zalando habe „6000 Artikel im nachhaltigen Sortiment“. Das sind zwei Prozent aller 300 000 Artikel.

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