Zölle auf Aluminium : Russland will Trumps Sanktionen mit Alkohol in Spätis bekämpfen

Die von den USA verhängten Strafzölle bereiten der russischen Aluminium-Wirtschaft Probleme. Das Handelsministerium will das mit ungewöhnlichen Methoden ändern.

Frank Herold
Geht es nach dem russischen Handelsministerium, sollten Russen wieder mehr Bier aus Dosen trinken.
Geht es nach dem russischen Handelsministerium, sollten Russen wieder mehr Bier aus Dosen trinken.Foto: imago sport

Der russischen Aluminium-Industrie geht es nicht  gut, Trumps Strafzölle und Sanktionen zeigen Wirkungen bei den Abnehmern, die Nachfrage sinkt weltweit. Doch die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ berichtet jetzt, das Handelsministerium habe einen Ausweg gefunden: Der nächtliche Handel mit niedrigprozentigem Alkohol an Kiosken soll wieder erlaubt werden.

In Berlin ist ein Späti ohne Alkohol des nachts undenkbar. In Russland ist der Verkauf von Alkohol hingegen seit 2013 zwischen 23 Uhr und 8 Uhr morgens gesetzlich verboten. „Wegen der Wirtschaftssanktionen, die von dritten Staaten verhängt wurden, sind die russischen Produzenten von Aluminiumprodukten von ernsthaften Nachfrageproblemen betroffen“, heißt es in der Begründung für den Vorstoß des Moskauer Ministeriums, der dem Blatt zugespielt wurde. Abhilfe soll nun also eine verstärkte Produktion von Bierbüchsen und deren Verkauf im ambulanten Handel schaffen, meinen offenbar die Staatsdiener.

Aluminium-Konzern Rusal in der Krise

Die amerikanische Attacke auf die russische Aluminium-Industrie hatte im März begonnen, als Präsident Donald Trump den Erlass zur Erhöhung der Zölle auf Stahl und Aluminium unterschrieb. Einen Monat später setzte das Finanzministerium in Washington den Oligarchen Oleg Deripaska und den von ihm kontrollierten Konzern Rusal auf die Sanktionsliste. Aktionären wurde dringend empfohlen, sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Für das Unternehmen wurden bereits staatliche Hilfen erwogen.

Der Vorschlag hat eine heftige Diskussion im Internet ausgelöst. Die einen Experten zweifeln jedoch, dass die Möglichkeit nächtlichen Bierverkaufs Rusal tatsächlich stützen könnte. Ein Büchse wiege 15 Gramm, rechnete einer vor. Wenn man davon ausgehe, dass durch den Nachtverkauf 30 Millionen Büchsen im Monat mehr verkauft werden, dann seien das nur 450 Tonnen Aluminium. Die anderen Experten wiederum halten diese Rechnung für schief: 2017 produzierte Rusal rund 3,7 Millionen Tonnen, etwa zehn Prozent davon werden zu Bierbüchsen. Der Konzern selbst erklärte Anfang der Woche, er habe mit der Gesetzesinitiative zum Bierverkauf nichts zu tun.

Die eigentlichen Gewinner wären die Bierbrauer

Wesentlich mehr brächte die Änderung zweifellos den Bierbrauern – und die brachen auch schon in Jubel aus. Endlich werde eine Bürokratische Hürde beseitigt, die ohnehin ineffektiv gewesen sei, zitiert „Kommersant“ den „Baltika“-Manager Alexej Kedrin. „Baltika“ ist einer der größten russischen Bierbrauer. Doch ob er tatsächlich frohlocken kann, ist derzeit offen.

Denn eine Ausweitung des Bierverkaufs würde klar der durchaus erfolgreichen Linie widersprechen, die die russische Regierung fährt, um den Alkoholkonsum einzudämmen. Seit der Einführung des Verbotes für den Nachtverkauf musste fast die Hälfte aller ambulanten Händler schließen. Die Zahl der Kioske landesweit sank von 65000 auf 35000. Das Handelsministerium erklärte vorsorglich, der Gesetzentwurf sei für eine öffentliche Präsentation noch gar nicht reif.

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