Zweite Filiale in Prenzlauer Berg : Wie Budni zwischen Rossmann und dm in Berlin Fuß fassen will

Die Hamburger Drogeriekette gibt es jetzt zwei Mal in Berlin, zehn weitere Märkte sollen folgen. Bei der Expansion hilft auch die Supermarktkette Edeka.

Die neue Budni-Filiale befindet sich in einer Art Hügel vor der Pizzeria Il Due Forni.
Die neue Budni-Filiale befindet sich in einer Art Hügel vor der Pizzeria Il Due Forni.Foto: Thorsten Mumme

Ein paar Kunden, die neugierig durch die Gänge streifen, Mitarbeiter, die geschäftig Waren einräumen – gut eine Stunde nachdem die Budni-Filiale nahe dem U-Bahnhof Senefelder Platz eröffnet hat, geht es dort noch ruhig zu. Noch sind die Mitarbeiter klar in der Überzahl.

Dabei hat die Drogeriekette in Berlin Großes vor. Der am Donnerstag eröffnete Laden in der Schönhauser Allee 12 ist das zweite Budni-Geschäft in Berlin. Das Hamburger Unternehmen kennt sich in Prenzlauer Berg bereits aus; die erste Berliner Filiale hatte im Juni dieses Jahres in der selben Straße auf der Höhe der Ringbahn eröffnet. Wie das Unternehmen mitteilte, sollen schon bald zehn weitere Budni-Läden in der Hauptstadt folgen. Doch ist noch Platz für Budni in Berlin, wo die Drogerien Rossmann und dm bereits ein Netz von zusammen 196 Filialen aufweisen?

Für Christoph Wöhlke ist das keine Frage. Der 41-Jährige leitet das Familienunternehmen Budni gemeinsam mit seinem Vater Cord und seiner Schwester Julia Wöhlke in dritter beziehungsweise vierter Generation. Er hält den Berliner Drogeriemarkt für „noch lange nicht gesättigt“. „Berlin hat im Bundesdurchschnitt unterdurchschnittlich wenige Drogeriemärkte“, sagt er und verwehrt sich sogleich dagegen, mit dm und Rossmann in eine Schublade gesteckt zu werden. „Wir waren schon immer mehr als ein reiner Drogeriemarkt“, führt er aus.

Anders als andere Anbieter biete Budni seinen Kunden an jedem Standort individuell angepasste Sortimente. „Das geht dann über die klassischen Drogeriesortimente wie Kosmetik oder Putzmittel hinaus.“ So findet der Kunde in der neuen Filiale auch frisches Obst und Gemüse, verzehrfertige Sandwiches, Sushi oder Suppen des Start-ups Little Lunch. Es verwundert nicht, dass – wie auch in der ersten Filiale in Prenzlauer Berg – ein großes Angebot an Naturkosmetik und Bio-Backwaren zum Sortiment gehört. In der nördlichen Filiale ist auch ein Café Teil des Konzepts.

Strategische Allianz mit Edeka

Tatsächlich ist Budni im Vergleich zu Rossmann (bundesweit über 2100 Filialen) und dm (bundesweit knapp 2000 Filialen) ein kleiner Player. Das Unternehmen wurde 1912 von Iwan Budnikowsky gegründet. Nachdem Cord Wöhlkes Vater Budnikowskys Tochter geheiratet hatte, führte die Wöhlke-Familie das Unternehmen weiter. Derzeit betreibt Budni gut 180 Filialen, fast alle davon im Raum Hamburg, wo Budni nach eigenen Angaben der führende Drogeriemarkt ist.

Anfang dieses Jahres hatte das Unternehmen angekündigt, auch über Hamburg hinaus expandieren zu wollen. Diese Ambitionen waren bereits im Februar 2017 vermutet worden, als Budni mit der Supermarktkette Edeka eine „strategische Allianz“ beschloss. Die Hamburger versprechen sich dadurch bessere Konditionen bei den Lieferanten. Für Edeka wiederum gilt der Schritt als Tür in den Drogeriebereich.

Denn konkret bedeutet die Kooperation: Sowohl die ursprüngliche Firma Budni als auch Edeka können Filialen unter der Marke Budni eröffnen – für den Kunden sollen sie nicht unterscheidbar sein. Die zehn geplanten Berliner Budnis sollen von dem ursprünglichen Unternehmen betrieben werden, Edeka spricht auf Tagesspiegel-Nachfrage nur von einer Neueröffnung in Bremerhaven, schließt Geschäfte in Berlin aber auch nicht aus.

Auch Rossmann und dm wollen investieren

Für Martin Fassnacht reicht all das nicht, um in Berlin Fuß fassen zu können. „Vergessen Sie Budni!“, ruft der Professor von der Wirtschaftshochschule WHU in Düsseldorf aus, wenn man ihn auf die Expansionspläne des Unternehmens anspricht. „Es gibt in Berlin bereits genügend Anbieter von Drogerieartikeln“, ist er überzeugt. „Von Supermärkten über Drogerien bis hin zu vielen kleinen Einzelhändlern und Spätis.“ Trotz der Zusammenarbeit mit Edeka bezweifelt Fassnacht, dass Budni in Berlin „das nötige Volumen erreicht, um mit den günstigen Preisen von dm und Rossmann mithalten zu können“.

Zumal auch die beiden Ketten in Berlin weiter wachsen wollen. Rossmann, mit 108 Filialen Marktführer in der Hauptstadt, will im kommenden Jahr in Erweiterungen, Modernisierungen und Umzüge investieren. Dm betreibt derzeit 88 Geschäfte in Berlin. „Ich wüsste nicht, warum wir in Berlin nicht auch 100 Filialen betreiben könnten“, hatte Markus Trojansky, der in der dm-Geschäftsführung für das Thema Expansion zuständig ist, erst im Oktober gesagt und sich gefreut, dass Berlin mittlerweile ein Kundenpotential aufweise, das es erlaube, an Plätzen wie dem Alexanderplatz mühelos drei dm-Filialen zu betreiben.

Aus Sicht von Fassnacht heißt die größte Bedrohung für Budni jedoch ohnehin nicht Rossmann oder dm, sondern Amazon. Noch macht das Onlinegeschäft etwa bei dm nur rund ein Prozent des Gesamtumsatzes aus. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis der Online-Anteil beim Umsatz mit Drogerieprodukten dramatisch ansteigen wird, ist sich Fassnacht sicher. Produkte wie Waschmittel oder Klopapier seien einfach sehr gut geeignet, per Klick nachhause bestellt zu werden.

Der große Gegner heißt Amazon

Wenn es soweit ist, sieht er für die deutschen Unternehmen schwarz. "Die deutschen Drogeriemärkte können von Glück sagen, dass Amazon in diesem Bereich noch nicht richtig loslegt“, so Fassnacht. „Wenn Amazon sich entscheidet, hier anzugreifen, muss den großen deutschen Ketten Angst und Bange werde.“ Amazon habe ein extrem gutes Kundenbindungsprogramm, könne die Bestellung mit Alexa in Zukunft noch deutlich vereinfachen und verfüge über die nötige Kompetenz, die Logistik so zu gestalten, dass es für den Kunden wirklich ein Vorteil gegenüber dem stationären Kauf sein wird.

Wöhlke sieht dem gelassen entgegen. „Ein Online-Shop wäre für uns bislang nicht wirtschaftlich zu betreiben und damit auch nicht im Sinne unserer Kunden, da er von den Offline-Kunden subventioniert werden müsste“, erklärt Wöhlke. Derzeit verfügt Budni verfügt zwar über eine informative Internetseite, einen Shop oder gar einen Lieferservice sucht der Kunde aber vergeblich.

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