Martin Schulze Wessel über die kurze Autonomie der Ukraine

Seite 6 von 6
100 Jahre Oktoberrevolution : Diktatur über das Proletariat – und alle anderen
Martin Schulze Wessel.
Martin Schulze Wessel.Foto: Daniel Reinhardt/picture alliance/dpa

Die Russische Revolution hatte ihre wichtigsten Schauplätze im Zentrum des Reiches, in der Hauptstadt Petrograd, dem heutigen Petersburg. Ein wichtiges Epizentrum hatte sie jedoch in Kiew. Hier vollzog sich die Revolution unter nationalen Vorzeichen. In Kiew wurde im Juni 1917 die erste Regierung der modernen Ukraine gebildet, die mit der Provisorischen Regierung in Petrograd über eine Autonomie ihres Landes verhandelte.

Nach Übernahme der Bolschewiki rief die Kiewer Regierung, die Zentralrada, die Ukrainische Volksrepublik aus. Als sowjetische Streitkräfte in die Ukraine einrückten, wurde die staatliche Unabhängigkeit erklärt. Im Weltkrieg und im anschließenden Bürgerkrieg konnte diese aber nur vorübergehend gegen die Sowjetmacht verteidigt werden.

Auswirkungen des kriegerischen Konflikts zwischen Moskau und Kiew

Die Verflechtungen von sozialen Bewegungen und nationalen Autonomie- beziehungsweise Unabhängigkeitsbestrebungen zu verstehen, ist nach wie vor eine große Herausforderung für die Geschichtsforschung. In Bezug auf die russisch-ukrainischen Beziehungen stellt sie sich besonders dringend, seitdem zwischen Moskau und Kiew 2014 ein kriegerischer Konflikt ausgebrochen ist, der auf das Geschichtsbewusstsein beider Länder tiefgreifende Auswirkungen hat.

Martin Schulze Wessel ist Professor für die Geschichte Ost- und Südeuropas an der LMU München.

Twitter

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter: 

2 Kommentare

Neuester Kommentar