GESCHICHTE

Seite 3 von 5
Academy Fellows : Die 2013/2014 Fellows

Warren Breckmann

Siemens Fellow.Wie kommt es, dass Machiavelli, der Erztheoretiker der zynischen politischen Manipulation, in letzter Zeit eine große Rolle in mehreren Projekten zur Vertiefung der Erfahrung von Demokratie spielte? In Berlin wird der Historiker Warren Breckman von der University of Pennsylvania dieser kuriosen Entwicklung nachgehen und sich dabei in das politische Gedankengut Europas – vornehmlich Arendt, Strauss und Schmidt – sowie in einige Abhandlungen linker Theoretiker stürzen, die Machiavelli bemühen, um ihre Versionen von Demokratie zum Ausdruck zu bringen.

James Brophy

Foto: Evan Krape

Nina Maria Gorrissen Fellow in History. Die Deutschen sind politisch; so ist's seit eh und je. Um das zu beweisen, untersucht James Brophy, Historiker an der University of Delaware, die Verbindungen zwischen dem deutschen Verlagswesen und der breiten Öffentlichkeit zwischen 1770 und 1870. Brophy wirft Schlaglichter auf die einzelnen Verleger jener Zeit und arbeitet so dynamisches politisches Engagement quer durch das ideologische Spektrum heraus, womit er den Mythos widerlegen möchte, dass die deutsche politische Kultur vor Bismarck grundsätzlich passiv, gehorsam oder der Obrigkeit verpflichtet war.

Wolf Schäfer

Anna-Maria Kellen Fellow.Einige Historiker der internationalen Politik vertreten die These, dass Diktaturen aufgrund ihres Wesens keine Atomwaffen entwickeln können – dass der Iran es folglich auch nicht tun wird. Wolf Schäfer, Historiker an der Stony Brook University in New York, arbeitet derzeit an einem Thema, das diese Annahme weiter erhellen soll: Er vergleicht das Manhattan-Projekt mit dem Atomprogramm der Nazis, um zu ergründen, wie funktionierende und nicht funktionierende Regierungs- und Verwaltungsfaktoren große, komplexe Forschungsprojekte zum Erfolg oder zum Scheitern führen können.

Tara Zahra

Berthold Leibinger Fellow.Während des Kalten Krieges wurde die „Gefangenschaft“ der Osteuropäer hinter dem Eisernen Vorhang zum Symbol für die kommunistische Unterdrückung. Laut der Historikerin Tara Zahra von der University of Chicago wurde sein Fundament bereits vor dem Ersten Weltkrieg gelegt. Auf der Grundlage von Archivforschungen in Österreich, der Tschechischen Republik, Polen, Frankreich und Deutschland weist Zahras Arbeit darauf hin, dass osteuropäische Bedenken zum Thema Auswanderung ebenso wie westliche Fremdenfeindlichkeit Gründe für die Verfestigung der Grenzen waren.

Dennis Dickerson

Siemens Fellow. Das Buch des Historikers Dennis Dickerson von der Vanderbilt University über den afroamerikanischen Bürgerrechtler William Nelson ist seit Langem überfällig. Nelson und andere Köpfe der Schwarzenbewegung der 50er Jahre waren zentrale Figuren für das Aufkommen der US-Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre. Dickersons Projekt liefert nun die hochverdiente Anerkennung Nelsons als Vermittler ghandianischer Gewaltlosigkeit, die zur Feuerprobe in Martin Luther Kings Kampf für Rassengerechtigkeit wurde.

Linda Henderson

Ellen Maria Gorrissen Fellow.Linda Henderson von der University of Texas gehört zu den zeitgenössischen Koryphäen im Bereich Geschichte der modernen Kunst. Sie hat unser Verständnis der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts revolutioniert. Dementsprechend wird es in ihrem Berliner Projekt zu den „Energies of Modernism“ nicht darum gehen, Lücken in der bestehenden Wissenschaft zu füllen, sondern vielmehr darum, die Art zu verändern, wie wir über moderne Kunst in Relation zur Wissenschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts denken.

Brian Linn

Bosch Public Policy Fellow. Es gibt Berge von Büchern über die US-Armee, die im Zweiten Weltkrieg kämpfte, aber erstaunlich wenige über ihre Nachfolgerin. Brian Linn, Historiker an der Texas A&M University, lässt Elvis Presley erzählen, wie sich das Militär in der Nachkriegsära veränderte, einer Zeit, in der Millionen dazu „ausgebildet“ wurden, ideale US-Bürger zu werden. Linns Erfahrungen in Deutschland werden eine zentrale Rolle für seine Darstellung des symbiotischen Verhältnisses zwischen Westdeutschland und den US-Soldaten während des Kalten Krieges spielen.

Ronald Suny

Anna-Maria Kellen Fellow. Der Leiter des Eisenberg Institute of Historical Studies an der University of Michigan publizierte das Buch „A Question of Genocide“ über die Ursachen des Völkermordes an den Armeniern. In Berlin möchte er der Frage des „Warum“ dieses Genozids noch näher auf den Grund gehen. Anstatt allein nationale oder religiöse Konflikte für die Massaker verantwortlich zu machen, stellt er ein Narrativ der Bedrohung ins Zentrum, das den Türken die Auslöschung der Armenier als rationale Selbstschutzmaßnahme erscheinen ließ.

Twitter

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter: 

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben