Amerikanische Frühgeschichte : Amazonien war schon früh stark besiedelt

Schon bevor die Spanier Südamerika erreichten, gab es dort Hochkulturen - das zeigen neue Ausgrabungen, die auf Millionen-Populationen deuten.

Luftaufnahmen der vorkolumbischen Anlagen bei Jacó Sá am Oberlauf des Tapajós-Flusses.
Luftaufnahmen der vorkolumbischen Anlagen bei Jacó Sá am Oberlauf des Tapajós-Flusses.Foto: University of Exeter

Der südliche Rand des Amazonasbeckens war vor der Ankunft der Spanier zusammenhängend besiedelt – und zwar viel dichter als bisher angenommen. Ein britisch-brasilianisches Forscherteam berichtet im Fachblatt „Nature Communications“, dass auf rund 435 000 Quadratkilometern Fläche bis zu eine Million Menschen lebten. Es sei ein Irrglaube, dass das Amazonasgebiet eine unberührte Landschaft gewesen sei, sagt Erstautor Jonas Gregorio de Souza von der University of Exeter.

Uralte Erdwälle, Wege und Fischteiche entdeckt

Seit einigen Jahren finden Forscher im Amazonasbecken Hinweise auf Siedlungen aus präkolumbischer Zeit – etwa Reste von Erdwällen, Fischteichen, Grabenanlagen oder Verkehrswegen. Das Ausmaß der damaligen Besiedlung ist aufgrund des dichten Bewuchses schwer zu bestimmen. Dokumentiert hatten Forscher schon eine intensive Nutzung im westbrasilianischen Bundesstaat Acre und weiter östlich am Oberlauf des Xingu im Staat Mato Grosso. Die neuen Entdeckungen belegen nun, das die Areale miteinander verbunden waren.

Gezielte Planung und erstaunliche Baukünste

Die Forscher entdeckten 81 befestigte Siedlungen auf Plateaus am Oberlauf des Tapajós, einem Zufluss des Amazonas. Sie waren umgeben von ein bis drei Meter tiefen, runden, vier- oder sechseckigen Gräben. Außerdem fanden die Archäologen Keramik sowie dunkle Erde, die auf eine lange landwirtschaftliche Nutzung hinweist. Die sechseckige Struktur vieler größerer Anlagen lässt auf gezielte Planung und einheitlichen Bau schließen. Die besonders große Anlage „Mt-07-Boa Vista“ hat einen Durchmesser von 390 Metern. In ihrem Inneren sind elf Erdhügel um einen zentralen Platz errichtet – vermutlich zur zeremoniellen Nutzung. Den Höhepunkt der Besiedlung erreichte die Region, die etwa der Größe von Deutschland und Österreich entspricht, zwischen 1250 und 1500. Walter Willems (dpa)

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