"Kein Grund, Iranisierung heraufzubeschwören"

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Arabischer Frühling heute : Hoffnung auf die Revolution der Werte

„Die politische Kultur hat sich schneller entwickelt als die politischen Systeme“, konstatierte Kai Hafez, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Erfurt und Orientexperte. Der Westen müsse den „jungen islamischen Demokratien“ zugestehen, dass Prozesse des politischen Wandels auch dort Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte brauchten. Es gebe keinen Grund, nach der Euphorie des Anfangs die Islamisierung oder gar Iranisierung heraufzubeschwören.

Die in Ägypten und Tunesien etablierten Verfassungen bedeuteten keinen Gottesstaat, sie seien „im Kern republikanisch“, sagte Hafez. Auch im Westen seien Demokratie und Säkularismus nicht immer gleichzeitig verwirklicht worden. Als große Gefahr sieht Hafez jedoch, dass die arabischen Gesellschaften den Weg Indiens einschlagen könnten, wo trotz eines demokratischen Systems wirtschaftliche Krisen und soziale Ungleichheit auch nach Jahrzehnten nicht bewältigt werden.

Die islamistischen Regierungen in Tunesien und Ägypten sind für Georges Khalil, den wissenschaftlichen Koordinator des Berliner Forums Transregionale Studien, durch die „Wiederkehr des Politischen und des Sozialen“ herausgefordert. Jetzt, da sie an der Macht sind, würden sie an ihrer konkreten Politik gemessen. Stefan Leder hält eine Demokratie mit den Islamisten für möglich: wenn sie sich „in das politische Alltagsgeschäft einbinden lassen“. Der Westen könne das unterstützen, indem er die Pluralität immer wieder einfordere.

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