Die Schüler besuchen die Nofretete - und gehen auf historische Spurensuche

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Arbeitsplatz Museum : Ein Projekt macht Schülern Lust auf Geisteswissenschaften

Für die 18-jährige Ines vom Humboldt-Gymnasium in Reinickendorf ist der Workshop eine „tolle Praxisanwendung dessen, was wir im Latein-Leistungskurs lernen“. Sie ist fasziniert, wie viel man aus den Textfragmenten über das Leben in der Antike lernen kann. Doch alle vermag Hallof nicht zu überzeugen. „Ein halbes Jahr lang eine kleine Tafel anzustarren, wäre kein Beruf für mich“, sagt Julius, 15. Hallof ist am Ende glücklich über Schülerinnen wie Ines, „die das nötige Auge haben, sich festbeißen“. Der Epigrafiker hofft, zwei, drei seiner Hospitanten im Seminar an der Humboldt-Uni wiederzusehen.

Bénédicte Savoy, Kunsthistorikern an der TU Berlin, spricht von „13 aufgeweckten, klugen, coolen Schülern“, die sie im Neuen Museum auf der Museumsinsel begrüßt hat. Die Jugendlichen von der Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg, denen sie vor den Vitrinen und im Magazin erklärt, wie die Nofretete-Büste aus Ägypten nach Berlin kam, fühlen sich bald wie Archäologie-Detektive. Den 90 Jahre währenden Streit um den Besitzanspruch an der Nofretete rekonstruieren die Schüler anhand alter Dokumente, ebenso wie die Auslagerung des Pergamonaltars im Zweiten Weltkrieg. Savoy ist beeindruckt, wie engagiert sich die Schüler in die für sie fremde Materie gestürzt haben. Wie viel hängen geblieben ist, wird sich am 9. März zeigen. Bis dahin verarbeiten drei der Jugendlichen das, was ihnen die Professorin vermittelt hat, in einem Vortrag zur Frage „Wem gehört die Antike?“.

Ines vom Humboldt-Gymnasium und Katharina von der Evangelischen Schule werden die Zuhörer in die Kunst des Entzifferns antiker Inschriften einführen. Zwei junge Frauen auf dem Weg in ein geisteswissenschaftliches Studium? Das sei noch nicht sicher, sagen beide. Katharina ist erst einmal begeistert, im Vortragsworkshop „etwas zu lernen, was man wirklich anwenden kann“. Die Angst vor dem öffentlichen Reden haben ihr die Lockerungsübungen und der erste Kurzvortrag schon genommen. Ines findet es „extrem schwierig zu sagen, was man einmal macht, wenn man so vieles kann“. Ein Portal in die Zukunft hat das Projekt der Akademie für sie und viele andere auf jeden Fall aufgestoßen. Auch wenn es nicht unbedingt in die Antike führen muss.

Der Kongress findet am 9. März von 9 bis 13 Uhr in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften statt. Anmeldung: zukunftsportalantike@bbaw.de; Infos: www.bbaw. veranstaltungen/2012/Maerz/zukunft_antike

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