Artensterben : Ein Filmstar ist verschwunden

Trotz Schutzbemühungen sterben weiterhin Vogelarten aus. Zu den jüngsten Opfern zählt eine aus einem Blockbuster-Film bekannte Spezies.

Der Blaue aus Bahia. Es leben noch ein paar Spix-Aras in Gefangenschaft. In freier Wildbahn hat man trotz recht intensiver Suche schon sehr lange keinen mehr beobachtet. Damit erfüllt die Art die Kriterien für ein trauriges Etikett. Auf ihm steht: "Ausgestorben"
Der Blaue aus Bahia. Es leben noch ein paar Spix-Aras in Gefangenschaft. In freier Wildbahn hat man trotz recht intensiver Suche...Foto: Patrick Pleul/dpa

Mindestens acht Vogelarten sind in den vergangenen Jahren höchstwahrscheinlich oder mit Sicherheit ausgestorben. Das hat eine Studie von Stuart Butchart und seinem Team von der Organisation "Birdlife International" ergeben, die jetzt im Fachmagazin "Biological Conservation" erscheint. In der Forschungsarbeit geht es auch darum, auf welcher Datengrundlage eine solche Klassifikation als "ausgestorben" gerechtfertigt ist. Butchard und seine Kollegen nutzen einen neuen, quantitativen Ansatz, der Schlüsselfaktoren wie die Verlässlichkeit von Sichtungen und Zählungen, aber auch das Ausmaß und die Art der konkreten Beeinträchtigung einzelner Spezies in ihrem Lebensraum einbezieht.

Minus 187 seit 1500

Auf dieser Grundlage kommen sie zu dem Schluss, dass weltweit etwa 187 Vogelarten seit dem Jahr 1500 verschwunden sind. Bislang waren vor allem Vögel, die nur auf Inseln vorkamen, betroffen. Sie wurden primär durch einschleppte fremde Arten und Jagd ausgerottet. In jüngster Zeit kommt es aber auch in Festlandgebieten zunehmend zum Verschwinden von Spezies. Besonders betroffen ist der Atlantische Regenwald (Mata Atlantica) im Osten Brasiliens. Er wächst derzeit nur noch auf etwa zehn Prozent der ursprünglichen Fläche und häufig fehlen ökologisch wichtige Verbindungen zwischen den Restarealen, die auch oft vergleichsweise klein sind.

Insgesamt fünf der acht in jüngster Zeit betroffenen Vogelarten stammten aus Südamerika, drei davon aus jenem Atlantik-Regenwald.

Zu den südamerikanischen Arten, die laut Butchart in der Wildnis als ausgestorben gelten können, gehört auch auch der Kleine blaue Ara (Cyanopsitta spixii), auch Spix-Ara genannt. Letztmals in freier Wildbahn gesichtet wurde ein Exemplar laut "Birdlife International" Ende 2000. Er kam nur in Brasilien, vor allem im Bundesstaat Bahia vor.

Letzte Tiere in Gefangenschaft

Die Art ist auch durch den US-Animationsfilm «Rio» (2011) bekannt geworden, in dem ein letzter Vogel dieser Spezies eine Hauptrolle spielt. Etwa 150 Exemplare dieser kleinen, hellblau gefiederten Art leben noch in Gefangenschaft. Auswilderungsprogramme sind geplant. Ob sie Erfolg haben können, ist angesichts des Lebensraumverlustes und der speziellen Anforderungen, die die Art an ihre Umwelt stellt (etwa eine spezielle Art alter Bäume als Nistort) ungewiss.

Bei anderen Arten fehlt selbst diese Möglichkeit. Nicht einmal in Gefangenschaft existieren etwa noch Exemplare des hawaiianischen Weißwangen-Kleidervogels (Melamprosops phaeosoma). Der Versuch, die Art auf diese Weise zu retten, scheiterte 2004, als es nicht gelang, zwei der drei letzten wilden Exemplare zu fangen und ein letztes, gefangenes Tier in einer Zuchtstation in San Diego starb. Todesursache war Vogel-Malaria. Auch eingeschleppte Krankheiten gehören zu den wichtigen Ursachen für das Aussterben von Vögeln. (mit Material von dpa)

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