Astrophysik-Popstar Neil deGrasse Tyson : Ein Crash-Kurs in Sachen Kosmologie

Der Popstar der Astrophysik erklärt den Urknall, warum Pluto kein Planet ist und wieso Cornflakes-Schachteln besser aussähen wie Himmelskörper.

Wer Neil deGrasse Tyson zuhört, fühlt sich nicht als bedeutungsloses Staubkörnchens im Nichts, sondern als Teil eines großen Ganzen.
Wer Neil deGrasse Tyson zuhört, fühlt sich nicht als bedeutungsloses Staubkörnchens im Nichts, sondern als Teil eines großen...Foto: dpa/dpaweb

Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn und ... George. Ja, George. So würde das auch heute noch gelehrt, wäre es nach dem Astronom Wilhelm Herschel gegangen. 1781 taufte er den von ihm gerade im Sonnensystem entdeckten siebten Planeten nicht wie bis dahin üblich nach einer antiken Gottheit, sondern nach dem amtierenden englischen König, der ihn daraufhin prompt zum Hofastronom erklärte. Wer will, kann damit das Prinzip von Ursache und Wirkung einmal mehr bestätigt finden.

An diese amüsante Episode erinnert der Astrophysiker Neil deGrasse Tyson in seinem neuen Buch „Das Universum für Eilige“, einem kurzen, aber deswegen noch lange nicht anspruchslosen Crash-Kurs in Sachen Kosmologie. In launigem Ton erzählt der Amerikaner vom Urknall, wie die Elemente entstanden, von dem Wesen Dunkler Materie, warum Pluto kein Planet ist („Finden Sie sich damit ab“) und wieso die Naturgesetze nicht nur auf der Erde, sondern auch in den entferntesten Winkeln des Alls gültig sind.

Experimentelle Physik trifft experimentelle Literatur

Vieles davon sprengt erst mal den Verstand des Laien. Dass die Gesetze der Gravitation auch das Licht betreffen, läuft schließlich dem alltäglich Erlebten zuwider. Die Quantenmechanik sowieso. Tysons Leistung aber besteht gerade darin, komplizierte Sachverhalte mit Anekdoten zu erden – etwa in dem er die Anzahl der bekannten Galaxien mit der unserer Darmbakterien in Relation setzt, erklärt, warum Cornflakes-Schachteln besser kugelförmig wie Planeten aussähen oder Parallelen zwischen experimenteller Physik und experimenteller Literatur aufzeigt: Den Begriff „Quarks“ entlieh ihr Entdecker Murray Gell-Mann sich aus James Joyce' „Finnegans Wake“.

Die ungekürzte Hörbuchfassung liest Oliver Rohrbeck, bekannt als Justus Jonas aus der Hörspielreihe "Die drei ???".
Die ungekürzte Hörbuchfassung liest Oliver Rohrbeck, bekannt als Justus Jonas aus der Hörspielreihe "Die drei ???".Foto: promo

Vor allem aber ist das Staunen des Forschers, der auch das New Yorker Hayden-Planetarium leitet, über dieses unfassbare Gebilde namens Weltall für jedermann ungemein ansteckend. Wer ihm zuhört, fühlt sich nicht als bedeutungsloses Staubkörnchens im Nichts, sondern als Teil eines großen Ganzen. Ein Gefühl, das auch Oliver Rohrbeck transportiert, der die Hörbuchfassung eingelesen hat – was eine ganz eigene Komik besitzt, wenn man seine Stimme vor allem als die des altklugen Schlaumeiers Justus Jonas aus der Hörspiel-Reihe „Die drei ???“ kennt.

Und George? 1850 wurde der Planet in Uranus umbenannt. Dem Empire blieben zum Trost die Monde des Gasriesen: Die tragen bis heute die Namen von Shakespeare-Figuren.

Neil deGrasse Tyson: "Das Universum für Eilige", Hanser, 192 Seiten, 17 Euro & Der Hörverlag, 4 CDs, 260 Minuten, gelesen von Oliver Rohrbeck, 17 Euro

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