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Ausstellung : Wie die Vermessung der Welt begann

Eine Konzeptausstellung nennt der Wissenschaftshistoriker Gerd Graßhoff, einer der beiden Sprecher von Topoi, die Präsentation, die keine Leistungsschau des Exzellenzclusters sein will, sondern eher essayistisch dessen begriffliche Zentralgestirne Raum und Wissen umkreist. Gleichwohl fließen aktuelle und sehr handfeste Forschungsergebnisse ein, wenn im ersten Raum die Baugeschichte auf dem Palatin in Rom rekonstruiert wird, der exemplarisch für den dynamischen Charakter architektonischer Rauminszenierungen steht. In Kapiteln wie diesem – eine Computersimulation macht’s möglich – gelingt der Präsentation große Anschaulichkeit.

Empfehlenswert ist auch das Begleitbuch, das keine Expertenaufsätze aneinanderreiht, sondern vom Bestsellersachbuchautor Ralf-Peter Märtin in einen angenehm lesbaren Fließtext verwandelt worden ist. Hier gewinnt „Jenseits des Horizonts“ Modellcharakter für künftige Großprojekte wie das Humboldtforum. Die Zukunft zeitgemäßer Populärvermittlung sollte jedoch nicht auf ein Laisser-faire des Alles-hängt-mit-allem-zusammen hinauslaufen, sondern auf das narrative Potenzial musealer Einzelobjekte vertrauen. Neben Prunkstücken wie dem bronzezeitlichen „Berliner Goldhut“ oder der Himmelsscheibe von Nebra – in einer hervorragenden Kopie – zeigt die Ausstellung scheinbar Unscheinbares wie den fünftausend Jahre alten, bei Ketzin an der Havel gefundenen Schädel eines erfolgreich am Gehirn Operierten. Mit einer kreisförmigen Gravur markierte der Neurochirurg der Jungsteinzeit seine Operationsstelle. Die Knochen hatten nach dem Eingriff genügend Zeit, um zu verheilen.

Was für eine Geschichte auf ein paar Knochen! Mühelos überspringt sie den trennenden Horizont zu unseren Ahnen.

Pergamonmuseum, bis 30. September. Das Begleitbuch (Konrad Theiss Verlag) kostet in der Ausstellung 24,90 Euro, im Buchhandel 29,95 Euro.

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