Wie sehen andere Experten die Sensation?

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Baby von HIV-Infektion geheilt : Das kleine Wunder

Wie sehen andere Experten die Sensation?

Noch handelt es sich lediglich um ein Fallbeispiel, das auf einem Kongress vorgestellt wurde. Die Ergebnisse sind bisher nicht in einem Fachjournal veröffentlicht worden. Entsprechend vorsichtig sind die Experten bei der Bewertung.

„Es ist unklar, ob der Erfolg wirklich durch die Therapie zustande kam oder ob das Immunsystem des Kindes die Viren besonders gut bekämpfen konnte“, betont Rockstroh. Die Reaktionen auf das HI-Virus seien von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Auch wenn die Therapie ausschlaggebend war, könne man nicht vorhersehen, ob die „Heilung“ anhält oder das Virus wieder auftaucht, wenn das Kind älter ist. Eine solche Langzeitbeobachtung dürfte jedoch schwierig werden, denn im Moment sind Mutter und Kind für die Ärzte nicht auffindbar.

Auch der Aidsforscher Frank Kirchhoff vom Uniklinikum Ulm hält „Heilung“ für ein großes Wort angesichts eines Einzelfalls, der nicht weiter verfolgt werden kann. Für die Forschung sei es ein interessantes Ergebnis. Im Alltag jedoch sei es wichtiger, die Infektion der Kinder zu vermeiden. Denn bisher wisse man nicht, ab wann man die Therapie möglicherweise abbrechen kann, um Nebenwirkungen und Kosten zu vermeiden. „Jeder Rückfall ist für das Immunsystem schädlich, außerdem können so Resistenzen entstehen“, sagt Kirchhoff.

Optimistischer ist Armin Schafberger, der Referent für Medizin und Gesundheitspolitik der Deutschen Aidshilfe: „Das Ergebnis zeigt, dass eine frühe antiretrovirale Therapie ein gangbarer Weg zur Heilung ist – und zwar mit Medikamenten, die längst zur Verfügung stehen“, sagt er. „Das gibt der Heilungsforschung sicher Aufwind.“

Was ist anders als beim „Berliner Patient“?

Der „Berliner Patient“ war nicht nur mit HIV infiziert, sondern hatte auch Leukämie. Er brauchte dringend eine Transplantation von blutbildenden Stammzellen. Seine Ärzte fanden einen Spender mit einem veränderten CCR5-Gen. Menschen mit dieser seltenen Mutation sind vor HIV geschützt, weil der Erreger nicht in die Zellen eindringen kann. Für Brown war das ein Glücksfall: Er besiegte den Krebs und HIV. Sein Fall ist jedoch einzigartig, denn eine Stammzelltransplantation ist risikoreich. Das Baby dagegen wurde mit normalen antiretroviralen Mitteln behandelt.

Wie geht es weiter?
Die Wissenschaftlerinnen wollen beweisen, dass der Erfolg kein Einzelfall ist und erforschen, ab wann man die Medikamente absetzen kann. Am dringendsten wird die Therapie direkt nach der Geburt in Afrika gebraucht, allein in der Subsahara leben etwa 2,4 Millionen Kinder unter 14 Jahren mit dem HI-Virus. Gerade dort ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Tests und Medikamente rechtzeitig bei den Kindern ankommen. Prävention sei deshalb nach wie vorher die effektivste Hilfe, sagt Gay. „Wir können 98 Prozent der Infektionen verhindern, wenn wir HIV-positive Mütter identifizieren und sie behandeln.“

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