Archäologische Arbeiten zu vorislamischen Kulturen fördert das Königshaus

Seite 2 von 2
Bauboom in Mekka und Medina : Fromme Abrissbirnen

Doch die aktuellen Vorhaben stellen eine neuen Dimension des unbekümmerten Umgangs mit dem historischen und kulturellen Erbe auf der arabischen Halbinsel dar. Es mag daher zunächst verwundern, dass das Königshaus ungefähr zeitgleich mit dem Beginn der Bautätigkeiten in Mekka und Medina erstmals westlichen Archäologen Ausgrabungen in Saudi-Arabien gestattete. So forscht ein Team des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Arnulf Hausleiter und Ricardo Eichmann seit 2004 in Tayma, einer Oasenstadt an der Weihrauchstraße im Westen Saudi Arabiens, deren Ursprünge im 4. vorchristlichen Jahrtausend liegen. Die Arbeit der Archäologen wird seitens des Herrscherhauses entgegen kritischen Stimmen aus besonders streng religiösen Kreisen ausdrücklich unterstützt.

Denn während das architektonische Erbe des frühen Islam nach und nach verschwindet, fördert das saudische Königshaus die Suche nach Hinterlassenschaften vorislamischer Kulturen. Die nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochene Überlegung dabei: Der Ölreichtum Saudi-Arabiens wird eines Tages versiegen. Wenn aber Touristen aus aller Welt antike Stätten in Jordanien, der Türkei und bis vor kurzem auch in Syrien besuchen und damit nicht unwesentlich zum Nationaleinkommen dieser Länder beitragen, kann es nicht schaden, die eigenen Stätten zu erschließen.

Als die afghanischen Taliban im März 2001 trotz dringlicher Appelle von Uno und zahlreichen, auch islamischen Staaten in nur vier Tagen die Buddha-Statuen von Bamiyan sprengten, ging ein Aufschrei der Empörung um die Welt. Das saudische Zerstörungswerk rief hingegen bislang kaum Reaktionen hervor. Hin und wieder berichteten Medien kritisch, mitunter äußerten die Regierungen des Iran und der Türkei ihren Unmut. So empörte sich kürzlich der türkische Kulturminister Ertugrul Günay über die geplanten Baumaßnahmen in Medina, denen die Gräber Mohammeds und seiner Getreuen zum Opfer fallen sollen. „Diese Stätten gehören allen Gläubigen und so haben alle Recht und Anspruch darauf.“

Kritik von schiitischen Persern und säkularen Türken verhallten derweil beim frommen Herrscherhaus der Saudis, das sich 1986 selbst zum Wächter der heiligen Moscheen ernannt hatte, stets ungehört. Diesmal jedoch regt sich auch in Saudi-Arabien Widerstand. Der einflussreiche und eigentlich für seine Nähe zum Königshaus bekannte Gelehrte Scheich Abderrahman al Barrak erklärte Anfang des Monats, die Pläne für die Erweiterung der Prophetenmoschee in Medina seien aus religiöser und auch aus jeder anderen Sicht abzulehnen.

  • Fromme Abrissbirnen
  • Archäologische Arbeiten zu vorislamischen Kulturen fördert das Königshaus
Artikel auf einer Seite lesen

Twitter

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter: 

2 Kommentare

Neuester Kommentar