Bedeutender Theologe : Der Friedensethiker Eberhard Schockenhoff ist tot

Die Ansichten des Theologen Eberhard Schockenhoff galten in der Katholischen Kirche oft als kontrovers, vielen war er unbequem. Nun ist er überraschend gestorben.

Eberhard Schockenhoff.
Eberhard Schockenhoff.Foto: imago images/Future Image

Eine der bedeutendsten theologischen Stimmen der Gegenwart, Eberhard Schockenhoff, ist überraschend gestorben. Er erlag den Folgen eines Unfalls. Schockenhoff wurde 67 Jahre alt. Der gebürtige Stuttgarter hatte Theologie in Tübingen und Rom studiert und wurde 1978 zum Priester geweiht. Nach Promotion und Vikariat in Ellwangen und Stuttgart kam er an die Theologische Fakultät der Universität Freiburg.

1989 bekam Schockenhoff einen Lehrstuhl in Regensburg, 1994 eine Professur für Moraltheologie in Freiburg.Schockenhoff genoss einen herausragenden Ruf, über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus. In deren Reihen war er eine Institution. Seine Äußerungen und Veröffentlichungen waren oft kontrovers, viele unbequem.

Er rügte das verquere Verhältnis der Kirche zu Homosexuellen

Er kritisierte beispielsweise die umstrittene Pius-Bruderschaft als „rechtsradikalen Sumpf“. Auch rügte der Moraltheologe das verquere Verhältnis der katholischen Kirche zu Homosexuellen. Überdies trat er dafür ein, dass geschiedene, wiederverheiratete Katholiken nicht von der Kommunion ausgeschlossen werden.

Die Bischofskonferenz, das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Wilfried Kretschmann (Grüne) würdigten ihn am Sonntag. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, hob Schockenhoffs „visionäre Kraft in seinem theologischen Forschen und Reden ebenso wie seine bemerkenswerte analytische Brillanz“ hervor.

ZdK-Präsident Thomas Sternberg sprach ihm „tief empfundenen Dank“ aus. Bätzing wie Sternberg betonten die „menschendienliche Moraltheologie“. Sternberg erklärte, Schockenhoff habe eine zeitgerechte Sexualmoral entwickelt, „die von den Menschen verstanden wurde“.

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Zuletzt hatte sich der Moraltheologe – der von 2001 bis 2016 dem deutschen Ethikrat angehörte – in der Corona-Debatte zu Wort gemeldet. Er erklärte, man dürfe nicht den Fehler machen, die Sterbe-Fallzahlen von Corona- oder Grippe-Toten gegeneinander zu verrechnen. Das hieße, sie als Argument zu missbrauchen, sagte Schockenhoff. Neu an der Corona-Lage sei die Hilflosigkeit, noch ohne wirksames Mittel in dieser Situation zu stehen. Schockenhoff trat trotzdem für Lockerungen ein und warb um Verständnis für eine tastende Politik.

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