Berlin Science Week 2018 : Die Stadt, die Wissen schafft

Die Brain City lädt zur "Berlinale der Wissenschaften". Was die Berlin Science Week bietet und wie Berlin insgesamt als Wissenschaftsstadt dasteht.

Ein Mann blickt durch eine Virtual-Reality-Brille.
Neue Räume erkunden. Die TU führt in der Berlin Science Week Anfang November in die „digitale Zukunft“ ein.Foto: Dirk Lässig

Berlin inszeniert sich als Wissenschaftsstadt – mit europäischer, ja weltweiter Ausstrahlung. Dafür gibt es eine solide und wachsende Substanz: Mit mehr als 40 Hochschulen – davon vier staatliche Universitäten und sechs Fachhochschulen, an denen insgesamt 195 000 Studierende eingeschrieben sind. Das ist ein in diesem Herbst erreichter Allzeitrekord. Hinzu kommen 70 außeruniversitäre Einrichtungen, in denen die großen Themen der Menschheit und der technologischen, digitalen Zukunft erforscht werden.

Zu den Neuzugängen zählen das vom Land Berlin und von 25 stiftenden Unternehmen gegründete Einstein Center Digital Future und das vom Bund als Deutsches Internet-Institut finanzierte Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft. Mit dieser Fülle der Institutionen zieht Berlin Top-Wissenschaftler und Studierende an, von Letzteren kommt mittlerweile ein Drittel aus dem Ausland.

Festival der Wissenschaften Anfang November

Umworben werden sie mit dem vom Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) gesetzten Label „Brain City“. Als Schaufenster und weiterer Inkubator soll die Berlin Science Week etabliert werden: Zehn Tage Anfang November, in denen Wissenschaftseinrichtungen Einblicke in ihre Forschung geben. Eine „Berlinale der Wissenschaft“ sei die 2016 erstmals veranstaltete Science Week, sagte Müller am Mittwoch bei der Vorstellung des diesjährigen Programms.

Die ersten Tage im November sollen weltweit als „Festival der Wissenschaft“ in Berlin wahrgenommen werden – so wie die Berlinale als Filmfestival international mit der deutschen Hauptstadt identifiziert wird. Eine gute Woche also für Forschende und an Wissenschaft Interessierte aus Deutschland, Europa und aller Welt, um Berlin nicht nur touristisch, sondern als „Brain City“ zu erkunden.

100 Veranstaltungen - von Uni bis U-Bahn

Gelegenheit gibt es dazu vom 1. bis 10. November bei über 100 Veranstaltungen – womit sich die Zahl gegenüber den Vorjahren mehr als verdoppelt hat. Das soll auch für die zuletzt 15 000 Besucher gelten. Unis und Wissenschaftseinrichtungen laden häufig mit forschenden Unternehmen dazu ein, Forschung in innovativen Formaten kennenzulernen. So kann man beim Blockslam der Telekom Innovation Laboratries auf unterhaltsame Weise erfahren, was unter den Blockchains zur Sicherung von Datensätzen zu verstehen ist. Bei der Performance „Flinn Works: Schädel X“ im Tieranatomischen Theater der Humboldt-Uni geht es um den kolonialgeschichtlichen Hintergrund der Schädelsammlung aus Tansania. An der Freien Universität erhellt das Exzellenzcluster Topoi den römischen Hintergrund des frühen Islam. Die ETH Zürich, eine der internationalen Partnerinnen der Science Week, stellt in der Musikbrauerei ihr Game Technology Center vor.

Während ein Teil der Veranstaltungen eher wissenschaftlichen Workshop-Charakter hat und in englischer Sprache stattfindet, gibt es auch zahlreiche bürgernahe Angebote wie etwa Live-Experimente in fünf U-Bahnhöfen (das ganze Programm finden Sie hier).

Das Publikum für die Science Week kommt alljährlich auch in die Stadt wegen der Falling Walls Conference, die Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner 2009 gegründet hat. Seitdem diskutieren um den Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 1989 herum Forscherinnen und Forscher „künftige Durchbrüche in Wissenschaft und Gesellschaft“.

Wo Berlin führend ist

Die Inszenierung der Wissenschaftsstadt kann aus einem großen Potenzial internationaler Aufmerksamkeit für Berlin schöpfen – und dabei aus der Stärke der Berliner Wissenschaft. Das jüngste Beispiel: Bei der ersten Entscheidung der Exzellenzstrategie vor wenigen Wochen gewann Berlin sieben große Forschungscluster, mehr als jeder andere Standort bundesweit. Auch das Förderranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft sieht Berlin als den Spitzenstandort, gefolgt von München, der Region um Heidelberg und dem Großraum Dresden.

Die Hochschulen weisen zudem gerne darauf hin, wie sehr sich ihre Forschung in Ausgründungen und Innovationen niederschlägt und dass diese Firmen die Stadt voranbringen. Eine Umfrage von 2016 erfasste 605 Unternehmen, die aus den Berliner Hochschulen entstanden sind und zusammen drei Milliarden Euro jährlich umsetzen. Die TU allein kann auf 520 aktive Patente verweisen, an der FU werden jedes Jahr gut zehn neue Patente angemeldet. Die FU ist auch die gründungsaktivste Volluniversität in Deutschland.

Laut einer anderen Studie sind HU und FU zudem diejenigen deutschen Hochschulen, aus denen die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Start Ups hierzulande kommen. Und die TU fand heraus, dass sich die „Innovations-Hotspots“ Berlins alle in unmittelbarer Umgebung der Hochschulen befinden.

Warnung: Zehn Mal so hohe Investitionen andernorts

Für Gisbert Schneider, Vizepräsident Global der ETH, ist die Berliner Wissenschaft daher eine wichtige Partnerin, um die drängenden Probleme der Zukunft zu lösen, wie er am Mittwoch sagte. Weltweit Aufsehen erregten auch die „muntere Start-up-Szene in der IT oder etwa in der Cyber Security“.

Doch Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin, sieht auch starken Aufholbedarf – nicht nur in Berlin. Wenn in Deutschland zehn Millionen Euro ins maschinelle Lernen investiert werden – wie jetzt an einem neuen TU-Zentrum –, seien es in China, aber auch in Kanada mindestens zehn Mal höhere Beträge. „Und damit kann man dort auch zehn Mal mehr machen.“

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