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Berliner Bildungsexpertin berät in Unikrise : Barbara Ischinger leitet den Stiftungsrat in Göttingen

Nachfolgerin des zurückgetretenen Stiftungsratschefs an der Uni Göttingen ist die ehemalige Pisa-Direktorin Barbara Ischinger. Aber auch an ihr gibt es Kritik.

Barbara Ischinger - hier im Mai 2018 als Key Note-Sprecherin beim Global Solutions Summit in Berlin.
Barbara Ischinger - hier im Mai 2018 als Key Note-Sprecherin beim Global Solutions Summit in Berlin.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Eine Berlinerin wird voraussichtlich an der neuen Präsidentensuche für die Universität Göttingen beteiligt sein: Barbara Ischinger, seit 2015 Mitglied im Stiftungsrat der Uni, hat dessen Vorsitz übernommen. Das bestätigte ein Sprecher der Universität am Freitag auf Anfrage. Ischinger habe den vor einer Woche zurückgetretenen bisherigen Vorsitzenden des achtköpfigen Aufsichtsgremiums, Wilhelm Krull, bereits zuvor vertreten, hieß es. Darüber hinaus wollte die Uni die neue Personalie nicht kommentieren.

Die Afrikanistin Ischinger (Universität Köln) bringt langjährige Erfahrungen im Hochschulmanagement und in der internationalen Bildungsforschung mit. An der Berliner Humboldt-Universität war sie von 2000 bis 2005 Vizepräsidentin für Internationales. Danach leitete sie das Bildungsdirektorat der OECD in Paris, stellte mehrfach die internationale Pisa-Studie zu den Kompetenzen 15-jähriger Schülerinnen und Schüler vor. Zuvor war Ischinger Direktorin für den Bildungsaustausch zwischen den USA und Deutschland bei der Fulbright Commission. Ischinger lebt in Berlin und sitzt - neben dem Engagement in Göttingen - auch im Stiftungsrat des Museums für Naturkunde.

Ischinger: "Missliche Situation der Universität"

"Über Schritte aus der eingetretenen misslichen Situation der Universität" seien der Stiftungsausschuss und die anderen Universitätsorgane "in engem Austausch", teilte Ischinger dem Tagesspiegel am Freitag auf Anfrage mit. Sie sei zuversichtlich dazu in Kürze Näheres mitteilen zu können - auch im Einvernehmen mit dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium.

In den vergangenen Monaten wurde die Universität von einer Reihe von Rückzügen und Rücktritten erschüttert. Im vergangenen Herbst hatte Präsidentin Ulrike Beisiegel erklärt, in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen. Zuvor war die Uni mit ihren Ambitionen gescheitert, erneut als Exzellenzuniversität gefördert zu werden, nachdem sie in der Vorentscheidung im September 2018 nur einen Forschungscluster durchbringen konnte. Der im Juni dieses Jahres gewählte neue Präsident, Sascha Spoun, der von der Universität Lüneburg nach Göttingen wechseln wollte, wurde von einer Gruppe von Professoren abgelehnt. Sie kritisierten das Wahlverfahren, das nicht transparent gewesen sei, und bezweifelten Spouns wissenschaftliche Eignung.

Nachdem ein Konkurrent beim Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung gegen die Ernennung Spouns erwirkt hatte, sagte dieser seine Präsidentschaft in Göttingen ab. Das Gericht hatte verlangt, der gesamte Wahlvorgang und auch die Findungsphase müssten lückenlos dokumentiert werden, wozu sich die Universität aber nicht in der Lage sah. Daraufhin trat auch Wilhelm Krull, langjähriger Generalsekretär der Volkswagenstiftung, als Stiftungsratsvorsitzender der Universität zurück.

Kritik an Ischinger als Beteiligter am Verfahren

Ulrike Beisiegel, die bis Oktober dieses Jahres als Präsidentin amtiert, hatte zuletzt "an alle Verantwortlichen" appelliert, "durch sachbezogenes gemeinsames Handeln den Weg in die Zukunft der Universität zu ebnen". Sie bitte "alle Partner und Freunde, der Universität für den aktuellen Prozess die dafür notwendige Zeit einzuräumen", schrieb Beisiegel in einer Presseerklärung der Uni.

Aus dem Kreis der Professoren, die zuletzt weitere Rücktritte von Mitverantwortlichen im Stiftungsrat und und im Senat der Uni gefordert hatten, ist jetzt auch Kritik an Barbara Ischinger als Beteiligter am Verfahren zu hören. Ischinger war am Sonntag nicht für eine Reaktion zu erreichen.

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