• Berliner Institut für Gesundheitsforschung: Aus dem Labor zum Patientenbett und zurück

Berliner Institut für Gesundheitsforschung : Aus dem Labor zum Patientenbett und zurück

Forschungsministerin Karliczek spricht von einem "echten Meilenstein": Wie das Berliner Institut für Gesundheitsforschung an der Charité durchstarten will.

Blick in den Campus Mitte der Charité.
Die Integration des BIG in die Charité wurde jetzt offiziell besiegelt.Foto: imago/Schöning

Ganz ruhig sitzt ein Proband auf dem Untersuchungsstuhl. Sensible Kabel ziehen von seiner Kopfhaut zum Messgerät. Seine Hirnströme zeichnen sich als feine Linien auf dem Bildschirm ab. Die EEG-Untersuchung ist eine von vielen, die Patienten in der „Clinical Research Unit“ (CRU) des Berliner Insitut für Gesundheitsforschung (BIG) auf dem Charité-Campus Klinikum Virchow durchlaufen. Eine Routineuntersuchung, die hier aber auch Patienten erhalten, bei denen man die Krankheitsursache auf den ersten Blick nicht im Kopf vermuten würde.

Hierhin hatten am Mittwoch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) geladen. Sie unterschrieben dort die Verwaltungsvereinbarung, die die Integration des BIG in die Charité regelt – auch um zu zeigen, dass der neue Zusammenschluss längst gelebt wird.

"Meilenstein" nach schwierigem Start

Karliczek sprach von einem „echten Meilenstein“: Schließlich finanziert der Bund nun erstmals direkt eine universitäre Einrichtung. Die Bundesmittel in Höhe von 75 Millionen Euro jährlich sind somit nach den schwierigen Anfangsjahren des Instituts dauerhaft für Berlin gesichert. Karliczek hofft, dass das BIG seine Kernmission nun erfolgreich umsetzt: „Forschungsergebnisse müssen möglichst rasch in der alltäglichen Krankenversorgung ankommen.“

Müller nennt die Integration des 2013 gegründeten Instituts einen „großartigen Schritt“ – für Patientinnen und Patienten, für die Institution selber, aber auch für Berlin. Dass der Bund und alle Länder dem zugestimmt haben, sei ein „großer Vertrauensvorschuss“. Berlin wolle nun in der medizinischen Forschung und in der Gesundheitsversorgung „Impulse für das ganze Land setzen“, versprach Müller. „Wir haben mit Berlin viel vor.“

10.000 Berliner Patienten in einer aktuellen Studie

Die Projekte des BIG sind ambitioniert. Wissenschaftler und Ärzte verschiedenster Fachbereiche arbeiten dort zusammen. Das BIG konnte inzwischen zahlreiche internationale Gastwissenschaftler nach Berlin holen, darunter zwei Nobelpreisträger. In einer aktuell durchgeführten Studie werden 10.000 Berliner umfassend untersucht und über zehn Jahre beobachtet. Es geht dabei um Patienten, die schon einmal ein kardiovaskuläres Ereignis hatten, also einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt, akutes Herzversagen, Diabetes oder ein Nierenversagen. Ihnen wird Blut abgenommen, sie machen Belastungstests und ihre Organe werden mit Ultraschall und Kernspin angeschaut. Das besondere dabei ist, dass beispielsweise ein Schlaganfallpatient auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens bekommt und bei Nierenkranken gleichermaßen die Hirnströme mittels EEG gemessen werden.

Durch solche umfänglichen Erhebungen generieren die Wissenschaftler und Mediziner Daten, die ihnen dabei helfen, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu finden und neue diagnostische Methoden zu entwickeln.
Der Leiter der CRU, Sein Schmidt, erklärt, dass Kardiologen so zum Beispiel schon herausgefunden habe, dass die Gerinnsel, die einen Herzinfarkt auslösen, unterschiedlich zusammengesetzt seien. Immunologen, die auch an dem Projekt arbeiten, gingen dem nach und stellten fest, dass das Abwehrsystem des Körpers auf die verschiedenen Gerinnsel unterschiedlich reagiere. Daraus könnten sich neue Ansätze für die Diagnostik und Therapie von Herzinfarkten ergeben, aber auch für die Vorbeugung anderer Erkrankungen.

BIG-Modell "vielleicht beispielgebend für andere Standorte"

Diese Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen, die finanzielle Ausstattung und die große Nähe zu den Patienten könnten im Erfolgsfall das sein, was das BIG von anderen Instituten unterscheidet.
Für Ministerin Karliczek könnte die neue BIG-Struktur „vielleicht beispielgebend für andere Standorte“ sein. Ob sie bereits andere Unis im Kopf habe, die der Bund direkt fördern könne, ließ sie auf Nachfrage offen. Auf jeden Fall müsse es dabei ebenfalls um die schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis gehen. Eine Evaluation für das BIG, in der die Erfolge gemessen werden, soll es trotz der holprigen ersten Jahre des Instituts nicht geben. Da ja künftig auch der Bund im Aufsichtsrat der Charité sitze, sei man über die Lage am BIG ohnehin „im permanenten Austausch“.

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