• Berliner Institut für Gesundheitsforschung: Hoffnung auf einen geschützten Raum fürs BIG

Berliner Institut für Gesundheitsforschung : Hoffnung auf einen geschützten Raum fürs BIG

Wie kann das Berliner Institut für Gesundheitsforschung nach einer Charité-Integration international sichtbar bleiben? Jetzt nimmt MDC-Chef Martin Lohse Stellung.

Vorfahrbereich am Bettenhaus der Charité.
Umbau. Juristisch ist das BIG die Mutter der Charité und des Max-Delbrück-Centrums. Jetzt soll das Institut ein möglichst...Foto: imago/Frank Sorge

Wie geht es weiter mit dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG)? Wie berichtet, könnte das Prestigeprojekt der Berliner Wissenschaft künftig in die Charité integriert werden, um die jahrelangen Konflikte in der Leitung des Instituts aufzulösen. Das ebenfalls beteiligte Max-Delbrück-Centrum (MDC) soll privilegierter Partner werden.

Für Martin Lohse, den Wissenschaftlichen Vorstand des MDC, ist dabei eine der größten Herausforderungen, dass das BIG dennoch  international sichtbar bleibt. Das BIG dürfe an der Charité „keine Sache unter vielen werden“, sagte Lohse dem Tagesspiegel. Es brauche an der Charité einen „geschützten Raum“.

Lohse: Sichtbarkeit, ohne Charité und MDC etwas wegzunehmen

Die Befürchtung, das Institut könnte an der Charité quasi „untergehen“, treibt offenbar einige Wissenschaftler am BIG um. So ist aus dem wissenschaftlichen Beirat zu hören, eine Integration könnte „schädlich“ für den „Pioniergeist“ am BIG sein. Autonomie sei für das Institut unerlässlich.

Lohse sagt nun, idealerweise sollte die Sichtbarkeit des BIG gelingen, ohne dass der Charité und dem MDC etwas weggenommen wird. Sichtbarkeit für das BIG sei schon deswegen wichtig, damit es für internationale Forscherinnen und Forscher attraktiv ist – und ebenso für den Bund, der das Institut ja zu großen Teilen finanziere. Ein Vorbild könne das Exzellenzcluster Neurocure sein, das ebenfalls mit Bundesmitteln gefördert werde. Die Exzellenzcluster seien eigenständig sichtbar und würden gleichzeitig den Ruf ihrer Einrichtung befördern: „Das ist die Synergie, die wir uns vorstellen.“ Ähnlich hatte sich auch schon Charité-Dekan Axel Pries geäußert, der interimsmäßig die Leitung des BIG übernommen hat.

Das Max-Delbrück-Centrum will weiter für Internationalität sorgen

Prinzipiell begrüßt Lohse die Idee, das Institut in die Charité zu integrieren. Wenn das wie geplant mit einer privilegierten Partnerschaft mit dem MDC einhergehe, „sind wir bei dem angelangt, was ursprünglich für das BIG konzipiert wurde – ohne die bisherige komplizierte juristische Konstruktion“. Ihm sei wichtig, dass künftig der gemeinsame Forschungsraum mit der Charité „niedrigschwellig“ mit noch mehr Leben gefüllt werden kann. Dazu werde das MDC nicht nur weiter seine Technologieplattformen einbringen, sondern auch eine besondere Stärke des Zentrums: Internationalität.

„Sehr einverstanden“ mit der Integrationsidee ist auch Ernst Theodor Rietschel, von 2013 bis 2015 Gründungsdirektor des BIG: „Nach den vielen Runden, die jetzt schon gedreht wurden, ist das eine gute Entscheidung.“ Voraussetzung für ihn sei eine klare Transparenz insbesondere bei den Finanzflüssen: „Die müssen so gestaltet sein, dass die Charité mit den BIG-Mitteln nicht auf Umwegen ihre Krankenversorgung finanzieren kann.“

Zwei Jahre bis zum neuen BIG-Vorstand?

Rietschel fordert auch einen Sitz für das BIG im Vorstand der Charité, dem neben dem Vorsitzenden bislang der Dekan, der ärztliche Direktor und die Klinikdirektorin angehören. Das würde nicht nur die herausgehobene Stellung des Instituts unterstreichen, sondern auch die Wissenschaft im Charité-Vorstand insgesamt stärken. In dem Zuge könnte die Translation – also die „Übersetzung“ von Grundlagenforschung in Therapien, was die Kernaufgabe des BIG sein soll – neben Forschung, Lehre und Krankenversorgung als „vierte Säule“ für die Charité etabliert werden.

Für „entscheidend“ hält Rietschel, möglichst zügig einen neuen Vorstandsvorsitzenden für das BIG zu finden. In der Berliner Politik ist zu hören, das könne durchaus bis zu zwei Jahre dauern – so viel Zeit brauche es, bis eine Integration rechtlich vollzogen ist. Das ist für Rietschel viel zu lang: „In dem Moment, wenn die Grundzüge der neuen Struktur klar sind, sollte das aktuelle Provisorium beendet werden.“ Er hofft, dass „in einem halben Jahr Klarheit herrscht“. Ähnlich denkt auch Martin Lohse. Der oder die Neue sollte gesucht werden, sobald die Richtung für das BIG feststehe. Es sei sinnvoll, einen neuen Vorstandsvorsitzenden in die Ausgestaltung des Instituts einzubeziehen.

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Könnte das BIG auch losgelöst von Charité und MDC unabhängig agieren? Diese Option wird auf Drängen von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek ebenfalls geprüft. Prinzipiell sei das vorstellbar, sagt Lohse – allerdings würde das die Mission des BIG ändern. Die Translation rücke dann in den Hintergrund, weil man dazu ja die Charité und ihre Patienten brauche. „Das BIG wäre dann eher ein zweites MDC.“ Wer aber die Nähe zur Klinik wolle, müsse das BIG auch näher an die Klinik ranholen. Der Beitrag des MDC sei dann weiter zentral: „Ohne Grundlagenforschung gibt es auch nichts zum Translatieren.“

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