Berliner Institut für Gesundheitsforschung : Unionsfraktion kritisiert Berliner BIG

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung müsse sich mehr am Markt orientieren, fordert die Unionsfraktion im Bundestag. Eine Integration in der Charité sei keine ausgemachte Sache.

Zukunftsweisend. Wird das BIG in die Charité integriert?
Zukunftsweisend. Wird das BIG in die Charité integriert?Foto: imago/Schöning

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) soll sich mehr am Markt orientieren: Das fordert die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag. „Bevor wir über die Struktur reden, brauchen wir erst einmal eine inhaltliche Neuausrichtung – und zwar unter der Frage, welche Themen am Markt die drängendsten sind“, sagte Albert Rupprecht (CSU), forschungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, dem Tagesspiegel. Man müsse hier „ähnlich forsch wie im Silicon Valley“ vorgehen. Aus Sicht der Unions-Parlamentarier würden solche grundsätzlichen thematischen Fragen bei der aktuellen Debatte um das BIG viel zu kurz kommen, kritisierte Rupprecht.

Das BIG, eines der Prestigeprojekte der Berliner Wissenschaft, wird zu 90 Prozent vom Bund finanziert, allein in diesem Jahr beläuft sich der Bundeszuschuss auf 72 Millionen Euro. „Da muss dann auch was rauskommen, das erwarten wir auch vom Bundesforschungsministerium“, sagte Rupprecht. Bisher sei die Union im Bundestag mit dem bei BIG Erreichten „überhaupt nicht zufrieden“. Man teile zwar nach wie vor das Ziel des BIG, die Translation zu stärken. Darunter versteht man, Grundlagenforschung auf klinischer Ebene anzuwenden. Die Union pocht hier auf die Entwicklung „marktgängiger Therapien und Gesundheitsprodukte“. „Das soll im BIG auf Weltniveau geschehen, auf einer Augenhöhe mit US-Standorten wie Boston“, sagte Rupprecht. Der Standort Berlin habe auch aus Sicht der Union die dafür nötigen „Assets“.

Die SPD ist beim BIG weniger skeptisch

Ob die vorgeschlagene Integration des BIG in die Charité wirklich weiterhilft, die aus Sicht der Union nötige Marktnähe zu erreichen, ist für Rupprecht zumindest diskussionswürdig: „Es gibt viele Fragezeichen, ob das nicht zu Mitnahmeeffekten seitens der Charité führt.“ Es sei auf jeden Fall richtig, dass Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) auch die Unabhängigkeit des BIG prüfen lasse: „Dem von Berliner Seite vermittelten Eindruck, dass alles entschieden sei, widerspreche ich“, sagte Rupprecht.

Was den Integrationsplan angeht, ist der Koalitionspartner SPD offenbar weniger skeptisch. Hier hege man durchaus Sympathie für diese Idee, hieß es aus der SPD-Bundestagsfraktion.

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Das Max-Delbrück-Centrum, neben der Charité der zweite Akteur beim BIG, würde bei dieser Vorgehensweise dann privilegierter Partner des BIG. Bis eine Integration auch rechtlich vollzogen ist, dürfte es nach Meinung von Experten durchaus zwei Jahre dauern.

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