Wie China Eliteunis aufbaut

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Bildung in China : Nur die beste Uni zählt

Zwar ist es gar nicht mehr so schwer, von einer Hochschule angenommen zu werden. Von 9,15 Millionen Schülern, die in diesem Jahr den Gaokao absolviert haben, wurden 6,85 Millionen zum Studium zugelassen. Doch damit wächst die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, weshalb die Qualität der Universitäten größere Bedeutung erlangt hat. In mehreren Projekten wie „Die 100 besten Hochschulen für das 21. Jahrhundert“ und „39 Hochschulen mit Weltniveau“ förderte die chinesische Staatsregierung seit 1996 zahlreiche Elitehochschulen. „Wer an einer dieser Universitäten graduiert, dürfte bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben“, sagt Lao Kaisheng. Denn das ist gegenwärtig das entscheidende Problem für Chinas Studenten.

Die Sorge um die Beschäftigung treibt viele chinesische Studenten um. „Die Jobchancen stehen nicht besonders gut", sagt die 22 Jahre alte Wang Yizhen, die an der Tianjin-Universität Stadtplanung studiert, „das macht mich manchmal ängstlich, und ich will gar nicht darüber nachdenken.“ Sie wolle erst ihren Master-Abschluss machen und dann nach einem Job suchen. Doch auch dieser gibt keine Garantie mehr auf eine adäquate Beschäftigung. Im Gegenteil, die Studentin Zhang Hui muss feststellen, dass ihr nach einem Masterstudium weniger Möglichkeiten offenstehen als drei Jahre zuvor nach dem Bachelor. „Ich verstehe das nicht“, sagt die 24 Jahre alte Studentin der Schanghai-Universität für Internationale Studien, „ich bin immer noch die gleiche Person, nur mit größerer Erfahrung und einem besseren Abschluss – warum bin ich jetzt weniger für eine Anstellung geeignet?“

Die Krise der weltweiten Wirtschaft trifft auch Chinas Studierende hart. Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) fanden 2011 bis zu 25 Prozent der rund 6,6 Millionen Hochschulabsolventen keinen adäquaten Arbeitsplatz. Die wirtschaftlichen Wachstumsraten Chinas sind im weltweiten Vergleich zwar immer noch hoch, doch sie sinken und kreieren nicht mehr so viele Jobs wie zuvor. Gleichzeitig steigt die Zahl der Universitätsabsolventen weiter an. So hat sich nach Angaben des chinesischen Bildungsministeriums die Zahl der regulären Hochschulen seit dem Jahr 2000 (1041) bis 2010 (2358) mehr als verdoppelt, die Zahl der Studierenden in China hat sich im gleichen Zeitraum von 5,8 auf 23,8 Millionen vervierfacht.

Viele chinesische Studenten versprechen sich daher von einem Auslandsaufenthalt bessere Karrierechancen, aber auch damit wird es schwerer zu punkten. Fast eine Million chinesischer Studenten konnten 2010 einen Studienaufenthalt im Ausland nachweisen. In Deutschland waren im vergangenen Jahr knapp 23.000 junge Chinesen eingeschrieben. Die Germanistik-Studentin Su Li ging nach dem Grundstudium nach Berlin, um an der Freien Universität einen Master in Medienwissenschaften zu machen. Eher aus kulturellen und sprachlichen Gründen. „Ein Auslandsaufenthalt ist kein großer Vorteil mehr auf dem chinesischen Arbeitsmarkt“, sagt die 26 Jahre alte Studentin aus Hohhot, „immer mehr Studenten gehen aus China fort.“ Für die stetig wachsende Mittelschicht sei ein Studium im Ausland auch nicht mehr so teuer.

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