"Bildung statt Kohle" : Eine Schnapsidee als Regionalpolitik

Wegen der Strukturschwächung der Region soll Cottbus nun ein Ministerium beherbergen dürfen. Unser Kolumnist findet die Idee so eher mittelgut.

George Turner
George Turner, Berliner Wissenschaftssenator a.D.
Unser Kolumnist George Turner, Berliner Wissenschaftssenator a.D..Foto: Mike Wolff

Im Land Brandenburg soll das Wissenschaftsministerium von Potsdam nach Cottbus verlegt werden, um die dortige Region aufzuwerten, nicht zuletzt, weil durch die absehbare Einstellung des Braunkohletagebaus ein Problem droht. Unsinnigeres hat man selten gehört. Bisher haben Landespolitiker unterentwickelte oder benachteiligte Bereiche durch die Ansiedlung von Fachhochschulen aufzupäppeln versucht. Solche Maßnahmen waren manchmal auch nur Trostpflaster oder sie dienten dazu, Ambitionen von Abgeordneten zu bedienen.

Tropical Island als Regierungssitz

Im Land des roten Adlers betreibt man eine Distribution der Landesregierung. Da fragt man sich, warum das Finanzministerium nicht in die Schorfheide, das Wirtschaftsministerium nach Jüterbog und das für Tourismus zuständige Ressort nicht zum Tropical Island umgetopft werden. Als Sitz des Ministerpräsidenten böte sich Finsterwalde an. Für Kabinettsitzungen wäre eine Raststätte am Berliner Ring zu reservieren. Es scheint, als wäre man trunken von Ideen, eine Versorgung bedrohter Regionen vorzunehmen, was man dann Landesentwicklung nennt. So könnte man Potsdam zu einer regierungsfreien Zone gestalten und Platz anbieten für den Umzug der noch in Bonn verbliebenen Bundesministerien, deren Erhalt am Rhein sich der dortige Ministerpräsident zur Herzenssache gemacht hat: Er fürchtet bei einem Wegzug den Bedeutungsverlust der einst provisorischen Hauptstadt.

Welchen Wert hat das Wissenschaftsressort?

Für den Landesvater Brandenburgs spielen solche Befürchtungen offenbar eine untergeordnete Rolle. Immerhin gäbe es an anderer Stelle einen Bedeutungszuwachs. Demgegenüber ist die Arbeitsfähigkeit im Verbund mit anderen Zentralen der Landespolitik wohl zu vernachlässigen. Das kann man nur mit einem Ministerium veranstalten, dessen Bedeutung nicht besonders hoch veranschlagt wird. Was gelten da Lippenbekenntnisse, dass die Zukunft des Landes nicht zuletzt von der Wissenschaft abhängt.

Andere Flächenstaaten könnten von Brandenburg lernen: Niedersachsen könnte ein Ministerium nach Ostfriesland verpflanzen, der NRW-Chef den Hambacher Forst bedienen. Für Bayerns Ministerpräsident gäbe es einen heißen Tipp: Statt seinen Wahlkreis mit einer Universität zu beglücken, könnte er das Wissenschaftsministerium in den Bayerischen Wald verfrachten. So könnte Brandenburg ein Beispiel geben – wenigstens als Schnapsidee.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail senden: george.turner@t-online.de.

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