• Bildungsreport des UN-Flüchtlingshilfswerks: Mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder besucht keine Schule

Bildungsreport des UN-Flüchtlingshilfswerks : Mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder besucht keine Schule

Nur 63 Prozent der Flüchtlingskinder weltweit besuchen eine Grundschule, nur 24 Prozent eine weiterführende Schule, zeigt ein UNHCR-Report.

Kinder in einem Flüchtlingslager in Kakuma in Kenia (2016).
Kinder in einem Flüchtlingslager in Kakuma in Kenia (2016).Foto: Foto: Dominic Nahr/picture alliance/dpa

Flucht und Vertreibung haben weltweit auch verheerende Folgen für die Schulbildung: Mehr als die Hälfte aller Flüchtlingskinder hat nach UN-Angaben nicht die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Dem am Freitag veröffentlichten jährlichen Bildungsreport des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNCHR) zufolge haben derzeit 3,7 Millionen Flüchtlingskinder keinen Zugang zu Bildung.

"Schule ist der Ort, an dem Flüchtlinge eine neue Chance bekommen", erklärte der UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi in Genf. "Wir versagen gegenüber den Flüchtlingen, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, sich mit den für ihre Zukunft wichtigen Fähigkeiten auszustatten." Grandi forderte Regierungen, Wirtschaft, Bildungsorganisationen und Privatpersonen auf, eine neue Initiative zur weiterführenden Schulbildung für Flüchtlinge zu unterstützen.

Flüchtlingskinder haben laut dem Bericht "Stepping Up: Refugee Education in Crisis" (Bemühungen verstärken: Flüchtlingsbildung in der Krise) deutlich geringere Chancen auf schulische Bildung als andere Kinder. Weltweit gehen demnach 91 Prozent aller Kinder im Grundschulalter zur Schule, bei Flüchtlingen sind es nur 63 Prozent.

Appell: In Deutschland schneller in den "normalen" Unterricht

Später wird die Lücke noch größer: Während 84 Prozent der Kinder insgesamt eine weiterführende Schule besuchen, sind es bei Flüchtlingen nur 24 Prozent. Aussicht auf eine Hochschulbildung haben sogar nur drei Prozent aller Flüchtlinge - im Vergleich zu 37 Prozent weltweit.

Der UNHCR-Repräsentant in Deutschland, Dominik Bartsch, forderte "kreative Lösungen". Zwar sei die Situation in Deutschland bereits sehr gut. Es müsse jedoch mehr dafür getan werden, dass Flüchtlingskinder so schnell wie möglich "normal am Unterricht teilnehmen können".

Der Bildungsreport ruft dazu auf, Flüchtlingskinder in die nationalen Bildungssysteme zu integrieren und die Anerkennung von Bildungsabschlüssen zu vereinfachen.

Weltweit gibt es knapp 26 Millionen Flüchtlinge, von denen rund 20 Millionen unter das Mandat des UNHCR fallen. Etwa die Hälfte von ihnen ist minderjährig. (AFP)

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