Brexit und Wissenschaft : Berlins Unis leiden unter Brexit

Viele Kooperationen können nicht mehr fortgesetzt werden, sagen Forscher. Das schade der Wettbewerbsfähigkeit Berlins.

„Ich bin ein EU-Migrant.“ Anti-Brexit-Proteste in Bristol. Foto: mauritius images
„Ich bin ein EU-Migrant.“ Anti-Brexit-Proteste in Bristol. Foto: mauritius imagesFoto: Alamy Stock Photo Mauritius images

Der Brexit wird für die deutsche Wissenschaft, besonders aber für Berlin, „ein schwerer Verlust“. Das sagte Gerhard Dannemann, Professor am Großbritannienzentrum der Humboldt-Universität, am Montag im Wissenschaftssausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Dort wollten sich die Abgeordneten bei einer Anhörung ein Bild davon machen, was der Brexit speziell für die Wissenschaftsstadt Berlin bedeutet.

Unter dem Brexit zu leiden haben werden zum Beispiel die 39 Masterstudierenden am Großbritannienzentrum, die ihren Abschluss nicht bekommen können, ohne ein Arbeitspraktikum in Großbritannien absolviert zu haben, wie Dannemann erklärte. Der nächste Jahrgang werde dafür ein Arbeitsvisum brauchen – was zumal bei einem harten Brexit schwierig werde. Viel Unsicherheit über Aufenthaltsfragen und die Fortzahlung der Gehälter gebe es auch bei Forschern, die in deutsch-britischen Kooperationen mit Mitteln vom European Research Council (ERC) forschen.

Mit dem Brexit werden zahlreiche gemeinsame Forschungsprojekte zwischen Berliner und britischen Unis gekappt, die mit EU-Mitteln bezahlt werden. Selbst wenn die britische Regierung die Zahlungen übernehmen würde, würde die administrative Abwicklung kaum zu bewältigen sein, sagte Dannemann.

Forscher beider Länder weichen bereits auf andere Partner aus

Hauke Heekeren, Vizepräsident der FU, betonte, dass die EU-Mittel nicht einfach durch die DFG zu kompensieren seien: „Erst die Beteiligung der Briten macht uns überhaupt wettbewerbsfähig“, sagte er. Berlin werde mit dem Brexit internationale Sichtbarkeit und Netzwerke verlieren: „Wir brauchen starke Partner für die internationale Reputation.“ Schon registriert man in Berlin, dass britische Forscher angesichts versiegender EU-Mittel ihre Fühler nun in andere Richtungen ausstrecken – entlang anderen Geldflüssen. Auch Berliner Forscherinnen und Forscher interessieren sich angesichts der Unsicherheit bereits weniger für Kooperationen mit Großbritannien, hieß es. Heekeren appellierte an die Abgeordneten, sich dafür zu engagieren, dass Großbritannien weiter an der EU-Forschung mitwirken kann.

Bei deutschen Studierenden ist das Vereinigte Königreich besonders beliebt. Etwa 14.000 sind dort eingeschrieben, wie Kai Franke, Leiter des Hauptstadtbüros des DAAD, sagte. Mit dem Brexit endet aber die Teilnahme Großbritanniens am Erasmus-Programm. Die Berliner Unis versuchen, mit ihren britischen Partnerunis bilaterale Abkommen zu verhandeln, damit weiterhin keine Studiengebühren fällig werden.

Davon abgesehen müssen EU-Studierende damit rechnen, dass das Studium in Großbritannien für sie teurer wird: Nach dem Brexit werden sie wohl statt des niedrigeren nationalen Tarifs den Tarif zahlen müssen, der bereits für Nicht-EU-Studierende gilt und bei 20.000 bis 30.000 Euro liegt.

In der ursprünglichen Fassung des Artikels wurde Kai Franke vom DAAD mit einer Zahl über den Anteil Berliner Studierender im Vereinigten Königreich zitiert, die falsch war. Der Anteil der Berliner Studierenden an den deutschen Studierenden im UK ist nicht bekannt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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