Christopher Baum gewählt : Das Berliner Gesundheitsinstitut bekommt einen neuen Chef

Nach jahrelangen Interimslösungen bekommt das Berlin Institute of Health mit dem Lübecker Mediziner Christopher Baum einen neuen Vorstandsvorsitzenden.

Christopher Baum.
Christopher Baum.Foto: imago/localpic

Das Berlin Institute of Health (BIH) bekommt nach jahrelangen Interimslösungen endlich wieder eine neue Leitung. Der Aufsichtsrat des Instituts wählte am Mittwoch den Mediziner Christopher Baum zum neuen Vorstandsvorsitzenden.

Baum ist seit 2019 Vizepräsident Medizin der Universität Lübeck und Vorstandsmitglied im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.  Davor war er Präsident sowie Forschungsdekan der Medizinischen Hochschule Hannover, seine wissenschaftliche Laufbahn führte ihn unter anderem ans Uniklinikum Hamburg und an die University of Cincinatti.

Baum beschäftigt sich seit langem mit Translationsmedizin

Wissenschaftlich beschäftigt sich Baum mit der Gentherapie, unter anderem entwickelte er ein Testverfahren, um gefährlichen Nebenwirkungen der Gentherapie bei Blutkrebsberkrankungen auszuschließen. Als Wissenschaftsmanager hat er mehrere Netzwerke in der translationalen Medizin aufgebaut, wo es um eine besser „Übersetzung“ von Forschungsansätzen in Behandlungsmethoden geht. Die translationale Forschung ist auch der wissenschaftliche Schwerpunkt des BIH.

Der 58-Jährige löst als BIH-Vorstandsvorsitzender Axel Pries ab. Pries hatte das Amt in Personalunion mit seinem Posten als Charité-Dekan inne. Das BIH, ein mit vielen Millionen Euro gefördertes Prestigeprojekt des Bundes und Berlin, wurde seit 2017 interimsmäßig von verschiedenen Vorständen der Charité und des Max-Delbrück-Centrums geleitet. 2017 hatte der damalige Vorstandsvorsitzende Erwin Böttinger das BIH im Streit verlassen.

Lange Führungsquerelen am BIH

Böttingers Abgang hatte große Führungsquerelen und eine strukturelle Krise beim BIH offenbart, das ursprünglich als „Mutter“ von Charité und MDC fungieren und Teile der Forschung der beiden Einrichtungen fusionieren sollte – ein Kompetenzgeflecht, das sich im Alltag als kaum steuerbar erwies. Im Zuge einer Neustrukturierung wird das BIH jetzt in die Charité integriert, ein entsprechende Gesetz soll demnächst vom Berliner Senat verabschiedet werden.

Baum wird daher künftig in seiner Funktion als BIH-Vorstandsvorsitzender auch Mitglied im Vorstand der Charité werden. In seiner Zeit in Niedersachsen soll Baum bereits gut mit Charité-Vorstandschef Heyo Kroemer zusammengearbeitet haben, der früher Vorstand der Unimedizin Göttingen war. Das könnte auch ein Kriterium für die Wahl Baums gewesen sein -  dass BIH und Charité früher eher gegeneinander arbeiteten, war ein Auslöser für die Führungskrise am Institut gewesen.

Antreten soll Baum am 1. Oktober, hieß es in einer Mitteilung des BIH am Mittwochnachmittag.

"Idealer Kandidat für das BIH"

Nach seiner Wahl erklärte Baum, er freue sich „außerordentlich“ auf die neue Aufgabe. Die Translation sei ihm ein Kernanliegen: „Forschung in Gesundheit zu verwandeln bedeutet, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Anwendungen zu schaffen, die Menschen helfen.“ Das BIH sei eine „hervorragende Einrichtung zur Gestaltung des Übergangs von der Grundlagenforschung in die Medizin“. Baum betonte auch die Synergie mit den „hervorragenden Partnereinrichtungen“ Charité und MDC.  

Steffen Krach, Wissenschaftsstaatssekretär in Berlin, bezeichnete Baum als „idealen Kandidaten“ für das BIH und „einen großer Gewinn für unsere ganze Gesundheitsstadt“. Christian Luft, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium und Aufsichtratsvorsitzender des BIH, sagte, Baum sei „der Richtige, um mit Gestaltungswillen und Führungserfahrung die Integration des BIH in die Charité zu meistern“.

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