Auch die führenden Technischen Unis in Deutschland werben um junge Inder

Seite 2 von 2
Deutsch-Offensive in Indien : Goethe für Millionen Schüler

Eine steile Wendeltreppe führt zum Büro von Puneet Kaur im zweiten Stock eines Gebäudes im vornehmen Viertel Jor Bagh. Kaur ist beim Goethe-Institut die Leiterin des Projekts „Deutsch an 1000 Schulen“. Nun muss sie in drei bis fünf Jahren 1000 Deutschlehrer aus dem Hut zaubern oder besser: in den Weiten Indiens finden. „Es ist eine Herausforderung“, sagt Kaur. „Es ist nicht so, dass wir 1000 Lehrer warten haben.“

Sie und ihr Team durchkämmen Unis und Sprachschulen nach talentierten Deutschlernenden. Bisher sind 250 bis 300 Schulen versorgt, bis spätestens 2017 sollen an allen teilnehmenden KV-Schulen Deutschlehrer bereitstehen. Den Großteil der Lehrer rekrutiert Kaur aus den Absolventen des Goethe-Instituts, das in Indien an zehn Standorten Sprachschulen unterhält.

Doch in anderen Gebieten gestaltet sich die Suche schwieriger. Die KV-Schulen stehen Kindern von staatlichen Angestellten offen, die alle zwei, drei Jahre versetzt werden, und bieten daher indienweit das gleiche Curriculum. Die Familien sind nicht reich, aber bildungsbeflissen und aufstiegsbewusst. Die Kinder „haben einen Hunger nach Bildung“, sagt Kaur. Doch Indien ist riesig. Manche der Schulen liegen in so entlegenen Gebieten, dass selbst die Inderin Kaur erst auf der Landkarte nach den Orten suchen muss.

Die Lehrersuche wird dadurch erschwert, dass das Gehalt mit 20 000 Rupien, umgerechnet knapp 290 Euro, im Monat auch für indische Verhältnisse nicht üppig ausfällt. Vor allem in teuren Megastädten wie Delhi oder Mumbai lockt das nur wenige. Viele Sprachabsolventen gehen lieber in die Wirtschaft, wo sie besser verdienen. Bei der Auswahl der Lehrer kann Kaur daher die Messlatte nicht allzu hoch anlegen. Einige der Deutschlehrer lernen selbst noch Deutsch, wichtig ist nur, dass sie ihren Schülern um etwa ein Jahr voraus sind.

Die Deutschoffensive, die vom Auswärtigen Amt bezuschusst wird, ist Teil einer groß angelegten Strategie. Soeben haben das Goethe-Institut und die neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland (TU9) eine Kooperation vereinbart, die auf Schulabgänger mit Deutschkenntnissen zielt. Weltweit soll Absolventen von Partnerschulen des Kulturinstituts der Zugang zum deutschen Hochschulsystem erleichtert werden. Das Ziel sei es, „internationalen Nachwuchs für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technikfächer zu gewinnen“, erklärten die TU9 am Mittwoch. Die zunächst für drei Jahre geplante Zusammenarbeit startet in Indien, „dem drittgrößten Bildungsmarkt der Welt“.

Auch in anderen Bereichen bemühen sich die Deutschen derzeit, die Beziehungen zu Indien zu vertiefen. In diesen Tagen eröffnet das neue „Deutsche Haus für Forschung und Innovation“ in Delhi, gleichzeitig gastiert die schillernde deutsch-indische Mela, ein gehobener Jahrmarkt aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, in Indiens Hauptstadt. Und auch die hochkarätige Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft tritt nahe Delhi zusammen.

Artikel auf einer Seite lesen

Twitter

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter: