Deutscher Doktorand in Bratislava : Der Plagiator, der sich selbst reinlegte

Ein Steuerberater bediente sich für seinen Doktortitel an Diplomarbeiten – und wurde danach umgehend erwischt. Jetzt muss er mehrere Tausend Euro Strafe zahlen.

Hermann Horstkotte
Zweifelhafter Titel. Der Doktorand wurde an der Universität Bratislava promoviert.
Zweifelhafter Titel. Der Doktorand wurde an der Universität Bratislava promoviert.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der deutsche Doktorand machte es den Plagiatsaufklärern besonders einfach. Er ließ sich im Jahr 2015 an der Comenius-Universität in Bratislava (Slowakei) mit einer Arbeit promovieren, die ordnungsgemäß im Internet veröffentlicht werden musste. Dabei bediente er sich ausgerechnet dreier Diplomarbeiten, die online zu kaufen waren – ohne diese jedoch in irgendeiner Form zu zitieren.

Das flog schnell auf, als der Autor den Vornamen „Dr.“ ins Berufsregister seiner Steuerberaterkammer eintragen wollte. Die muss amtlich alle persönlichen Angaben ihrer Mitglieder überprüfen. Bei jemandem, der mit Mitte Fünfzig die höheren akademischen Weihen berufsbegleitend im Ausland erwirbt, werden Berufskollegen schnell stutzig. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Aurich die Urheberrechtsverletzung mit einer Geldauflage von 4500 Euro geahndet, zahlbar in mehreren Monatsraten, die zweite Mitte Mai.

Einem Diplomanden ließ der Plagiator keine Ruhe

Der Betroffene will dazu nichts mehr sagen, erklärt sein Anwalt auf Nachfrage. Der Doktortitel bleibt immerhin unberührt, weil slowakische Hochschulen ihn anders als hiesige nicht nachträglich aberkennen können. Von diesem Bestandsschutz haben schon mehrere deutsche Plagiatoren profitiert.

Doch einem der Diplomanden, dessen Arbeit unrechtmäßig verwendet wurde, ließ der akademische Werdegang des Plagiatoren keine Ruhe. Bei Internetrecherchen fand er einen Artikel, wonach der Steuerberater 2011 im Fernstudium an der Hochschule Wismar den Master im Business Consulting gemacht und sich damit in der Lokalpresse auch online groß rausgebracht hatte. Im Wismarer Hochschularchiv konnte der Erstautor feststellen, dass er schon damals und nicht erst für die erweiterte Dissertation namenloser Pate gewesen war. Der Hochschule war das nicht aufgefallen. Jetzt aber streitet sie vor dem Verwaltungsgericht für die Rücknahme des Master-Titels.

Der Steuerberater ließ seine Arbeit fünf Jahre lang im Archiv sperren

Ohne den Zeitungsbericht im Netz wäre der Spurensucher nie auf die Masterarbeit gekommen. Denn wie üblich hatte der Steuerberater sie nicht veröffentlicht und vorsorglich sogar für fünf Jahre im Hochschularchiv sperren lassen. Derartige Prüfungsschriften auf Papier werden auch nicht ewig aufbewahrt, sondern nach einigen Jahren geschreddert – in diesem Falle aber war die Masterarbeit noch vorrätig.

Am Ende kostet der Wismarer Fund dem Plagiator womöglich sogar dann doch noch den Doktortitel. Denn ohne rechtmäßigen Master könnte das daran anknüpfende Promotionsverfahren für nichtig erklärt werden. Damit wäre der Doktorhut auch ohne besondere Aberkennung hinfällig. Angesichts einer ganzen Reihe plagiatsverdächtiger Dissertationen an der Comenius-Uni, die auf der Internetplattform Vroniplag Wiki dokumentiert sind, herrscht in Bratislava derzeit große Aufregung ums internationale Image, wie Gerhard Dannemann, der Berliner Rechtsprofessor und Wiki-Mitarbeiter ,feststellt. Ob die Hochschule im Falle des deutschen Steuerberaters nun mal ein warnendes Exempel statuiert, bleibt abzuwarten.

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