• Empfehlung Deutscher Spitzenforscher: Regierung sollte Deutschland drei Wochen weitgehend lahm legen

Empfehlung Deutscher Spitzenforscher : Regierung sollte Deutschland drei Wochen weitgehend lahm legen

Die Nationale Akademie der Wissenschaften empfiehlt einen dreiwöchigen Shutdown. Die Experten raten zu „infektionsarmen sozialen und körperlichen Aktivitäten “.

Eine junge Frau liegt auf ihrem Balkon in einer Hängematte und liest ein E-Book.
Zu Hause, aber nicht isoliert. Hotlines und Internetseiten sollten darüber informieren, wie Kommunikationswege offen bleiben,...Foto: Florian Schuh/dpa-tmn

Einen etwa dreiwöchigen "deutschlandweiten temporären Shutdown" wegen der Corona-Pandemie empfiehlt die Nationale Akademie der Wissenschaften. Das geht aus einer Ad hoc-Stellungnahme unmittelbar vor der Beratung der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der Länder über weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens hervor.

Die Nationale Akademie Leopoldina formuliert es gewohnt zurückhaltend: Es deute sich an, dass ein solcher Shutdown "mit konsequenter räumlicher Distanzierung aus wissenschaftlicher Sicht empfehlenswert ist". Doch insgesamt ist die Empfehlung sehr konkret.

Notwendige und gesundheitserhaltende Aktivitäten müssten weiterhin möglich bleiben, heißt es. "Dies würde kein Arbeitsverbot, kein Einkaufsverbot von Lebensmitteln und auch keine Unterbindung von Spaziergängen im Familienkreis bedeuten", wird dazu in einer Presseerklärung ausgeführt.

Zudem müssten alle Anstrengungen darauf gerichtet sein, "dass pharmazeutische Interventionen und Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum verfügbar werden". Insbesondere müssten "Kapazitäten zur Testung von Verdachtsfällen und Einreisenden vorhanden sein".

Hintergrund über das Coronavirus:

Priorität sollen vier Schutzmaßnahmen "für besonders gefährdete sowie systemrelevante Personengruppen" haben. Menschen, die ambulant oder stationär behandelt werden, müssten - trotz Isolation - mit Medikamenten versorgt und Engpässe verhindert werden. 

Pflegedienste, Dialysezentren und andere ambulante und stationäre Einrichtungen müssten arbeitsfähig gehalten werden. Die von ihnen benötigten Materialien seien sicherzustellen, für deren Produktion Anreize geschaffen werden.

Es fehlt eine breite Aufklärungskampagne

In der Gruppe der besonders Gefährdeten müsse ein (besseres) Bewusstsein für die eigene Schutzbedürftigkeit geschaffen werden.

Es sollten Telefonhotlines geschaltet und digitale Beratung und Betreuung angeboten werden. Diese könnten auch "infektionsrisikoarme soziale und körperliche Aktivitäten fördern". Das sei notwendig, um "negativen Auswirkungen räumlicher Distanzierung und Quarantäne entgegenzuwirken". Insgesamt brauche es eine breite Aufklärungskampagne.

Eine Reihe von Empfehlungen spricht die Leopoldina auch zur Diagnose und Therapie des Coronavirus aus. So solle eine zentrale Datenplattform entwickelt werden - "zur gezielten und koordinierten Testung".

Vor allem müsse es jetzt auch mehr Tests geben, um zu verhindern, dass insbesondere "systemrelevante Personen" (etwa medizinisches Personal) wiederholt mit nichtansteckenden Erkrankungen in Quarantäne geschickt werden.

Die Wissenschaftler geben der Politik auch als Aufgabe mit, während des Shutdowns "Vorbereitungen für das kontrollierte und selektive Hochfahren des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft" zu treffen".

Bereits jetzt Vorkehrungen für die Zeit nach dem Shutdown vorbereiten

Es sei damit zu rechnen, dass die Entwicklung von Medikamenten mindestens vier bis sechs Monate, die eines Impfstoffs mindestens neun bis 12 Monate dauere. Über einen so langen Zeitraum sei die weitgehenden Stilllegung des öffentlichen Lebens aber nicht durchzuhalten - wegen der gravierenden sozialen und ökonomischen, aber auch möglichen negativen physischen und psychischen Folgen.

Schließlich fordert die Leopoldina, Forschung zum Coronavirus zu intensivieren und "beschleunigt" Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln. Beides auch ein Appell in die eigenen Reihen, gehören zur zuständigen Arbeitsgruppe der Leopoldina doch Molekularbiologinnen und Virologen, darunter der Charité-Virologe Christian Drosten.

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