• Erbgut von Internet-Star Lilbub wird sequenziert: Genforscher sammeln für "Hemingway"-Katze

Ein kurioser Einzelfall, der aber nützlich für viele sein kann

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Erbgut von Internet-Star Lilbub wird sequenziert : Genforscher sammeln für "Hemingway"-Katze

Noch vor ein paar Jahren wäre es ein hoffnungsloses Unterfangen gewesen, sich um eine Finanzierung für eine derartiges Forschungsprojekt zu bemühen. Nicht nur, weil das Entziffern des Erbguts, das heute für etwa 6000 Euro zu haben ist, damals noch zehntausende Euro oder mehr gekostet hätte. Sondern auch weil Forschungsförderungsorganisationen eher nicht dafür bekannt sind, Geld in die Erforschung kurioser Einzelfälle zu stecken, geschweige denn prominenter Haustiere. "Für seltene Krankheiten ist es aber besonders wichtig, jeden einzelnen Fall aufzuklären", sagt Lupiáñez. "Langfristig können wir so alle Fälle zu einem größeren, detaillierten Bild zusammenfügen." Gibt es genug Informationen über die unterschiedlichen Ursachen und Formen von Osteopetrose und welche Medikamente gegen welche Form wirken, könne man einzelne Patienten - sei es Mensch oder Tier - besser behandeln.

Lilbub hat nicht nur einen überzähligen Zeh an den Vorderpfoten, sondern sie hat auch ein übermäßiges Knochenwachstum, was sich in "Erlenmeyerkolben"-ähnlichen Auswüchsen zeigt.
Lilbub hat nicht nur einen überzähligen Zeh an den Vorderpfoten, sondern sie hat auch ein übermäßiges Knochenwachstum, was sich in...

Geld für die Forschung aus der Crowd

Doch Forschungsförderungsinstitutionen brauchen Lupiáñez, Ibrahim (und die ebenfalls zum Team gehörende Genetikerin Orsolya Symmons, 31, vom CNRS in Lyon) gar nicht zu überzeugen. Denn sie wenden sich nicht an öffentliche Förderstellen, sondern an die "Crowd", die zahllosen Fans von Lilbub im Internet. Auf der Crowdfunding-Plattform experiment.com bitten sie um Spenden, um insgesamt 6500 Euro für die Erbgutsequenzierung der Promi-Katze zusammenzubekommen. Für ihre eigene Laborarbeit, die sie schon jetzt so manches Wochenende gekostet hat, wollen die Jungforscher indes keinen Cent. Sie treibt allein die Neugier.

Lilbubs Herrchen Mark Bridavsky unterstützt das Team und hat schon eine Blutprobe geschickt. Und eine erste Analyse hat bereits für Überraschung gesorgt. Um zu überprüfen, ob die DNS in der Probe von ausreichend guter Qualität ist, analysierten sie einen kleinen Abschnitt des Erbguts, die ZRS-Sequenz. Mutationen in dieser Erbgutregion können bekanntermaßen bei Katzen, Menschen, Hühnern und Mäusen zu Vielfingrigkeit führen. "Und tatsächlich haben wir in dieser Erbgutregion von Lilbub einen Austausch eines einzigen DNS-Bausteins gefunden, der zu Polydaktylie führt", sagt Lupiáñez. "Genau genommen ist es genau die gleiche Mutation, die auch bei Hemingway-Katzen zur Vielfingrigkeit führt." Damit sei es sehr wahrscheinlich, dass Lilbub, obwohl aus dem nördlichen US-Bundesstaat Indiana stammend, mit den Hemingway-Katzen von Key West in Florida verwandt ist.

Die Blutprobe von Lilbub in der Tiefkühltruhe des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik in Berlin-Dahlem.
Die Blutprobe von Lilbub in der Tiefkühltruhe des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik in Berlin-Dahlem.Foto: Dario Lupianez, Daniel Ibrahim, MPIMG

Sicher werden die Forscher erst sein können, wenn das ganze Erbgut entziffert ist. Und dann wird auch erst klar sein, ob die verschiedenen Symptome von Lilbub allein durch einen einzigen falschen Baustein oder mehrere Mutationen im Erbgut ausgelöst werden. Die Ergebnisse will das Team der "99 Cats Initiative" der Genetikerin Leslie Lyons von der Universität Michigan zur Verfügung stellen, die Erbgutinformationen vieler verschiedener Katzen sammelt, um so Erbkrankheiten besser zu verstehen. Ob es dazu kommt, hängt von Verlauf der Crowdfunding-Kampagne ab. Ein paar Tage hat das Team noch Zeit.

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