Wie politisch der Wettbewerb ist

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Exzellenzinitiative der Unis : Finale im Elite-Wettbewerb: Wie entschieden wird

Die Politiker sollen sich aus der Entscheidung im Exzellenzwettbewerb heraushalten, so lautet eine populäre Meinung. Denn es soll ja die bessere Uni gewinnen und nicht die, hinter der die stärksten Politiker stehen. Allerdings ist die Vorstellung, die wissenschaftlichen Juroren seien unpolitisch und neutral, naiv. Auch Wissenschaftler haben persönliche Vorlieben und hochschulpolitische Meinungen, die sie im Verfahren durchsetzen wollen.

Drastisch deutlich wurde das im ersten Durchgang des Wettbewerbs im Jahr 2006.

Die Bildungspolitiker hatten die ursprünglichen Bewertungen und die Liste mit strittigen „gelben“ Fällen aber vorliegen. Was folgte, war ein Aufruhr, der fast das Ende des gesamten Exzellenzwettbewerbs bedeutet und Winnackers Kopf gekostet hätte.

Im zweiten Durchgang, im Jahr 2007, präsentierte die „Gemeinsame Kommission“ der Wissenschaftler den Politikern im Bewilligungsausschuss nunmehr auch „gelbe“ Fälle. Die Politiker nutzten die Gelegenheit, für mehr Ausgewogenheit zu sorgen: bei der regionalen Verteilung und beim Fächerspektrum. Da die Wissenschaftler die Mehrheit der Stimmen haben, hätten sie das verhindern können, wenn sie wirklich gewollt hätten.

Ist der Einfluss der Politiker schlimm? Überhaupt nicht, so lange es nur um Zweifelsfälle geht. Wo eine Exzellenzuni entstehen soll, ist nicht zuletzt eine bedeutende hochschulstrategische Entscheidung – damit wird die Beteiligung der Politik sogar zwingend. Auch haben die Politiker bislang einseitige Entscheidungen der Wissenschaftler korrigiert. Das Vertrauen in die Entscheidungen der Wissenschaftler ist nach dem Skandal mit Ernst-Ludwig Winnacker ohnehin schwer beschädigt.

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