Wie schaffen sie die Hürde Uni-Assist? Die TU verspricht Einzelfallhilfe

Seite 2 von 2
Flüchtlinge an Berliner Universitäten : „Die bringen wir wunderbar ins Studium“

Eine der Hürden, die Flüchtlinge an allen Unis überwinden müssen, ist Uni-Assist. Die Serviceagentur prüft ihre Studienberechtigung. Zwar ist die Begutachtung von Zeugnissen durch Uni-Assist seit dem 1. März für registrierte Flüchtlinge, die einen Test über ihre Studierfähigkeit (TestAS; Test for Academic Studies) oder einen Beratungsschein von einer Uni vorlegen, kostenfrei. Viele Flüchtlinge aber fürchten das komplizierte Antragsverfahren. Claudia Börsting versichert, im Studienkolleg würden die Flüchtlinge dabei an die Hand genommen, mit einem Schritt-für-Schritt-Leitfaden im Internet und Hilfe von Tutoren.

Viele in der "Flüchtlingsklasse" fürchten, ohne Finanzierung dazustehen

Die nötigen Zeugnisse aus der Heimat hätten bislang alle Teilnehmer des Studienkollegs vorlegen können, sagt Börsting. Der Verlust von Dokumenten auf der Flucht, für den die Kultusminister im Dezember ein Anerkennungsprozedere vereinbart hatten, spielt bislang keine Rolle, heißt es auch aus den anderen Unis. Offensichtlich ist es den meisten gelungen, Schul- und Unizeugnisse mitzubringen oder nachträglich zu besorgen.

Ist also für Fady Mahrous und Ibrahim Mousa der Traum vom Studium in Berlin wirklich zum Greifen nahe? Eben haben die beiden noch von der internationalen TU und ihren Möglichkeiten geschwärmt, jetzt werden sie ernst. „Das große Problem ist die Anerkennung als Flüchtling“, sagt Ibrahim. Die fehlende Aufenthaltsgenehmigung hindert sie de facto zwar nicht am Studium: Das Studierverbot für Asylbewerber ist im September 2015 aufgehoben worden. Die Ausländerbehörde verzichtet seitdem auf einen entsprechenden Stempel in den Papieren, frühere Vermerke sind ungültig. Doch viele in der "Flüchtlingsklasse" fürchten, ohne Finanzierung dazustehen, wenn sie ein Studium aufnehmen.

Die Rechtslage ist kompliziert - nicht nur aus der Sicht der Flüchtlinge

Erst sieben von ihnen haben eine Anerkennung als Flüchtling oder Asylsuchender und damit einen gesicherten Aufenthaltsstatus. Sie erhalten derzeit schon Schülerbafög und können die staatliche Ausbildungsförderung auch als Studierende beantragen. Wer aber nur geduldet ist oder einen anderen humanitären Aufenthaltstitel hat, muss 15 Monate warten, bis er Bafög-berechtigt ist. Das ist gegenüber der bis Ende 2015 geltenden Regelung, nach der die Wartezeit vier Jahre betrug, ein großer Fortschritt. Doch die jungen Männer sehen sich für das kleine Wunder bestraft, dass sie kurz nach der Flucht schon am Studienkolleg angenommen wurden und in weniger als 15 Monaten fit für eine aussichtsreiche Bewerbung sind. „Wir können Studenten werden, aber wir haben kein Geld zum Leben“, sagen die Kollegiaten.

Die Lücke, die bleibt: Länger als 15 Monate hier und nicht anerkannt

Der Rechtslage nach ist das ein Missverständnis, das aber nicht nur bei den Flüchtlingen, sondern offenbar auch bei den Unis tief sitzt. Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach hat kürzlich in einem Brief an die Unileitungen klargestellt: Flüchtlinge im Asylverfahren büßen die staatlichen Leistungen, mit denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, in den ersten 15 Monaten nicht ein, wenn sie ein Studium aufnehmen. Das hat jetzt die Bundessozialministerin bestätigt – wie zuvor von den Wissenschaftsministern gefordert. Für noch nicht anerkannte Flüchtlinge, die länger als 15 Monate in Deutschland sind und studieren, bleibt aber eine Finanzierungslücke. Hier dränge Berlin weiter auf eine Klärung, verspricht Krach.

"Dann müssen wir eben arbeiten und studieren"

Kein Bafög, unklare Aussichten auf Sozialhilfe? Ibrahim Mousa bleibt pragmatisch: „Dann müssen wir eben arbeiten und studieren.“ Mit seinen Sprachkenntnissen – Kurdisch, Arabisch, Türkisch und inzwischen auch Deutsch – dürfte das in Berlin kein Problem sein. Gleichwohl bleibt für die jungen Männer noch so vieles zu klären: mit der Studienberatung, mit der Uni, mit Uni-Assist, mit der Ausländerbehörde und mit dem Jobcenter und bei der Wohnungssuche.

Damit geht es ihnen wie vielen anderen, die in Berlin studieren wollen. Nur, dass ihre Situation an vielen Stellen noch weitaus komplizierter ist.

Hinweise zu den konkreten Beratungs- und Studienangeboten der Berliner Hochschulen finden Sie hier.

Und hier sind die Flüchtlinge am Studienkolleg der TU Berlin in einem Podcast der Uni zu hören.

Artikel auf einer Seite lesen

Twitter

Folgen Sie unserer Wissen und Forschen Redaktion auf Twitter: 

1 Kommentar

Neuester Kommentar