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Folgen übermäßiger Mediennutzung : Wenn der Papa lieber am Smartphone hängt

Eine Studie zeigt: Die Nutzung neuer Medien verändert die Eltern-Kind-Beziehung. Nicht alle können damit umgehen, wenn ihre Erziehungsberechtigen lieber am Tablet als mit ihnen spielen.

Wenn die Aufmerksamkeit mehr beim Tablet als beim eigenen Kind liegt, werden Verhaltensstörungen des Nachwuchses befördert.
Wenn die Aufmerksamkeit mehr beim Tablet als beim eigenen Kind liegt, werden Verhaltensstörungen des Nachwuchses befördert.Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Kleinen backen Sandkuchen und klettern, die Großen gucken aufs Smartphone. Auf vielen Spielplätzen und auch daheim ist das inzwischen Alltag. Auf Dauer kann der Mangel an aktivem Miteinander ungünstige Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung haben, warnen Experten. Eltern, die viel Zeit mit digitalen Medien oder vorm Fernseher verbringen, statt sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen, können einer Studie zufolge Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Kindern fördern.

Kinder werden hyperaktiv und reagieren öfter mit Wutanfällen

Missachtete Kinder seien eher frustriert, hyperaktiv, jammerten, schmollten oder reagierten mit Wutanfällen, berichten Forscher im Fachjournal "Pediatric Research". Ein negativer Kreislauf entstehe, denn viele Eltern reagierten auf auffällige, als anstrengend empfundene Kinder mit noch mehr Medienkonsum. Nach innen gewandte Probleme wie Angst oder Rückzug der Kinder seien nicht ganz so häufig, erläutern Brandon McDaniel von der Illinois State University und Jenny Radesky von der University of Michigan Medical School.

Für die Studie hatten 183 Elternpaare mit Kindern unter fünf Jahren über sechs Monate hinweg online in Fragebögen Auskunft gegeben - zu ihrer eigenen Mediennutzung sowie zur Entwicklung ihrer Kinder und deren nach Außen oder Innen gewandtem Verhalten. Auch ihre eigenen Gefühle und Reaktionen gaben die zwischen 2014 und 2016 befragten Eltern zu Protokoll.

"Technoferenzen" nennen Forscher die Unterbrechungen durch Smartphones & Co

Das Ergebnis: In fast allen Fällen kam es pro Tag mindestens einmal dazu, dass digitale Geräte den Eltern-Kind-Austausch unterbrachen. Sowohl Mütter wie Väter gaben an, dass mit der Menge dieser Unterbrechungen auch Verhaltensauffälligkeiten der Kinder und elterliche Stressgefühle zunahmen.

Gelegenheit gibt es inzwischen viele für solche "Technoferenzen" - so nennen die Forscher es, wenn Smartphone und Co den persönlichen Kontakt von Auge zu Auge stören. Anderen Studien zufolge verbringen zumindest US-Eltern neun Stunden pro Tag vor TV, Computer, Tablet oder Smartphone.

Technik verführt besonders vorbelastete Erwachsene

Möglicherweise ist der übermäßige Digital-Konsum aber nicht Ursache für das auffällige Verhalten der Kinder, sondern nur ein Nebeneffekt von anderen familiären Problemen, wie McDaniel und Radesky anmerken. "Wir glauben, dass spezifische Aspekte der Digitaltechnologie, inklusive verführerischer Design-Elemente, besonders für solche Eltern anziehend sind, die Schwierigkeiten mit der Selbstregulation haben oder unzufrieden mit dem familiären Sozialleben sind", schreiben die Forscher.

Manche lenkten sich dann durchs Digitale ab, während ihre Kinder immer intensiver nach Aufmerksamkeit heischten. Vor allem beim gemeinsamen Essen, beim Spielen oder beim Zubettbringen des Nachwuchses sei es wichtig, auf die emotionalen Bedürfnisse der Kinder ohne Ablenkungen eingehen zu können.

Die Studie ist die erste Arbeit, in der die Techniknutzung von Eltern und ihre Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder über einen längeren Zeitraum untersucht wurde. Allerdings geben die Autoren zu bedenken, dass die Daten ausschließlich auf Fragebögen beruhen, ausgefüllt von den Eltern. Besser wäre eine Untersuchung, bei der ein neutraler Beobachter aufzeichnet, wie Kinder darauf reagieren, wenn ihre Eltern sich statt mit ihnen mehr mit der Technik befassen.

Weniger persönlicher Kontakt, weniger Problembewältigung

Trotz dieser Einschränkungen stimmen deutsche Expertinnen der Grundaussage der Studie zu. "Dass Probleme zwischen Eltern und Kindern größer werden, wenn es weniger persönlichen Kontakt gibt und Probleme nicht ausgehandelt werden, ist nicht verwunderlich und schließt an vorliegende Studien an", sagen Susanne Eggert und Gisela Schubert vom JFF-Institut für Medienpädagogik in München.

Natürlich könnten Eltern das Smartphone auch nutzen, um sich bei konkreten Erziehungsproblemen Hilfe zu suchen. "In der Situation muss aber der direkte Kontakt und Austausch mit dem Kind zentral sein." Grundsätzlich sei es sinnvoll, in der Familie gemeinsam Regeln zur Nutzung mobiler Medien zu bestimmen, an die sich alle halten - inklusive Medien-freier Zeiten.

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Und was die Spielplatzbank angeht: Nach Erfahrungen aus der Erziehungsberatung scheine hier eine Zeitung Eltern weniger abzulenken als ein Smartphone. (Florian Schumann und Martin Ballaschk (mit dpa))

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