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Forschung auf Notbetrieb eingestellt : Shutdown auch in der Berliner Wissenschaft erwartet

Labore im Ausnahmezustand: Experimente werden heruntergefahren, gemeinsame Projekte gestoppt. Offiziell ausgerufen aber wurde der Notbetrieb noch nicht.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten in einem Chemielabor.
Vom bevorstehenden Notbetrieb betroffen ist auch das Projektlabor Chemie der Technischen Universität.Foto: Felix Noak/TU Berlin

Jetzt ist es amtlich: „Staatliche, private und konfessionelle Hochschulen ... dürfen nicht für den Präsenzlehrbetrieb und nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Bibliotheken dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden. Onlinedienste können angeboten werden. Mensen dürfen nicht geöffnet werden. Das gilt auch für die außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Land Berlin, ungeachtet ihrer Rechtsform.

So lautet eine vom Senat am Dienstag erlassene Verordnung, die bereits in der vergangenen Woche beschlossene Maßnahmen rechtssicher und verbindlich macht.

Doch in der gleichen Weise, wie sich die Maßnahmen des Senats gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie mittlerweile verschärft haben, etwa durch die weitgehende Schließung von Geschäften, gibt es weitere Einschränkungen für die Wissenschaft.

Die Berliner Universitäten bereiten sich darauf vor, all ihre Aktivitäten auf ein absolutes Mindestmaß herunterzufahren, nicht nur in der Lehre.

„Wir haben alle Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gebeten, alles für den sogenannten Notbetrieb vorzubereiten“, sagte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach dem Tagesspiegel. Der Notbetrieb trete ein, „wenn es zu weitergehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der gesamten Stadt kommt“.

In den Instituten wird quasi stündlich mit der Ausrufung des Notbetriebs gerechnet. „Wir sind bereits größtmöglich mit allen Geräten heruntergefahren“, sagt Lars Merkel, der Verwaltungsleiter des Instituts für Chemie der Technischen Universität. Gestoppt worden seien beispielsweise Inkubatorenschüttler und Fermentationsreaktoren in biologisch ausgerichteten Arbeitsbereichen.

Fragen und Antworten zum Coronavirus

Alle, die in der experimentellen Wissenschaft arbeiten – von Professoren über Doktoranden bis zu Bachelor- und Masterstudierenden -, würden davon besonders hart getroffen. Versuche etwa mit Mikroorganismen müssten abgebrochen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder hochgefahren werden. Das koste Wochen bis Monate wertvoller Arbeitszeit – und womöglich auch die Drittmittel.

"Kritische Infrastruktur" wird aufrechterhalten

Einige Geräte müssten aber, auch wenn sie abgeschaltet sind, mit Stickstoff oder Helium gekühlt werden, sagt Merkel. Dazu erklärt Staatssekretär Krach, dass die „kritische Infrastruktur“ wie Rechenzentren oder die Gebäudesicherheit selbstverständlich aufrechterhalten bleiben müsse. Das gelte auch für Verwaltungsfunktionen wie die Auszahlung von Gehältern oder des Bafögs.

Zu den Arbeiten, die im Notbetrieb nicht gestoppt werden, gehöre auch die Corona-Forschung, etwa in Projekten der Charité und des Max-Delbrück-Centrums (MDC), sagt Krach. Klar ist auch, dass Versuchstiere weiter versorgt werden müssen.

MDC-Sprecherin Jutta Kramm betont, es gehe um „hochempfindliche, sehr teure und sehr wertvolle Forschung, die weiterlaufen muss“ – trotz der womöglich bevorstehenden Einstellung des regulären Forschungsbetriebs. Doch auch das MDC tue alles Notwendige, um seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen und die Verbreitungswege des Coronavirus zu stoppen. Beispielsweise seien viele Mitarbeitende der Verwaltung im Homeoffice. „Auch Wissenschaft findet nicht nur im Labor statt“, sagt Kramm.

"Bereiten Sie sich umgehend auf den Fall der Stilllegung vor"

Die TU Berlin hatte ihre Forschenden bereits am Sonntag mit einem Infobrief auf den Notbetrieb vorbereitet. Sollten Geräte und sonstige technische Anlagen nicht schnell heruntergefahren werden können, „bereiten Sie sich umgehend auf einen solchen Fall der Stilllegung vor“, heißt es dort.

TU-Präsident Christian Thomsen wandte sich am Montagabend mit einer Video-Botschaft an die Hochschulangehörigen - zur Einstimmung auf den bevorstehenden Notbetrieb.

Wo trotzdem eine Vor-Ort-Betreuung nötig sei, sollten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dem Krisenstab des Präsidiums und der Fakultätsverwaltung mitteilen, wie viel Personal dazu gebraucht wird, heißt es im Infobrief. Begründete Ausnahmen werden dann beraten.

Entscheidung über Notbetrieb am Dienstag noch nicht getroffen

Verschieben und absagen müssen die Forschenden – außer allen Dienstreisen und Forschungsaufenthalten – auch sämtliche wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente außerhalb der eigenen Universität.

Wer also mit anderen Hochschulen oder außeruniversitären Instituten kooperiert, muss diese Beziehungen und vor allem die Projekte nun vorerst auf Eis legen – oder per E-Mail, in Telefon- und Videokonferenzen aus dem Homeoffice fortsetzen.

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„Die Entscheidung über einen Notbetrieb in der Wissenschaft ist noch nicht getroffen“, betonte Mathias Kuder, Sprecher der Senatskanzlei Wissenschaft, am Dienstag auf Nachfrage.

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