Fossilienfund : Dino-Ahne kam im Taschenformat

Forscher beschreiben einen frühen Verwandten von Dinosauriern und Flugsauriern. Seine Größe lässt interessante Schlüsse zu.

Maßstabsgetreue Illustration des neu entdeckten Reptils auf zwei menschlichen Händen
Kongonaphon kely, ein neu beschriebener Vorfahr von Dinosauriern und Pterosauriern lebte vor etwa 237 Millionen Jahren. Die...Foto: Frank Ippolito/American Museum of Natural History via Reuters

Ein früher Verwandter von Dinosauriern und Flugsauriern war überraschend klein. Kongonaphon kely brachte es gerade einmal auf eine Höhe von etwa zehn Zentimetern, wie US-Paläontologen im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ schreiben.

Christian Kammerer vom North Carolina Museum of Natural Sciences in Raleigh in den USA und seinem Team zufolge könnte das Fossil dazu beitragen, die frühe Evolution von Dinosauriern und Flugsauriern besser zu verstehen.

Entdeckt wurden die Überreste von Kongonaphon kely bereits 1998 auf der Insel Madagaskar im Osten Afrikas. Der Name bedeutet «kleiner Käfermörder», wobei «kongona» (Käfer) und «kely» (klein) aus der auf Madagaskar gesprochenen Sprache Malagassi stammen.

Kongonaphon kely ernährte sich von hartschaligen Insekten, wie die Forscher von Spuren auf den erhalten gebliebenen Zähnen ableiten. Die gefundenen Beinknochen sind nicht nur klein, sondern auch recht schmal, was den Wissenschaftlern zufolge auf ein geringes Körpergewicht hinweist.

Liliput-Effekt

Es gebe überzeugende Beweise dafür, dass die Körpergröße zu Beginn der Entwicklung der Dinosaurier-Flugsaurier-Linie stark abnahm, wird Kammerer in einer Mitteilung des American Museum of Natural History in New York zitiert.

In der Familie der Lagerpetidae, in die die Forscher die neue Spezies einordnen, ist Kongonaphon kely zwar der kleinste Vertreter. Aber mit dem in Schottland gefundenen Scleromochlus taylori gibt es einen sogenannten Archosaurier, der noch kleiner ist.

Für den Fundort in Madagaskar gibt es keine zuverlässige zeitliche Datierung. Die Forscher nehmen jedoch an, dass die Verkleinerung mit dem Massenaussterben an der Grenze der Erdzeitalter Perm und Trias vor rund 250 Millionen Jahren zu tun haben könnte.

Der „Liliput-Effekt“ ist bekannt von Arten, die ein Massenaussterben überlebt haben, aber es gibt verschiedene Hypothesen, wie es dazu kommt. Für Kammerer und Kollegen könnten die kleinen Spezies wie Kongonaphon kely mit der Entstehung des muskelbetriebenen Flugs in Zusammenhang stehen.

„Da die Miniaturisierung ein notwendiger Vorläufer für die Entwicklung des Fluges bei Wirbeltieren zu sein scheint, hängt der Ursprung der Flugsaurier, der ersten Wirbeltiere, die zum muskelbetriebenen Flug fähig waren, wahrscheinlich mit ihrer Abstammung von den frühen Ornithodiranen mit kleinem Körper zusammen“, schreiben die Forscher. Zu den Ornithodiranen gehören unter anderem Dinosaurier und Flugsaurier.

Neue Körperbedeckungen

Auch die Entstehung von Federn aus anfangs langen dünnen Filamenten führen die Wissenschaftler auf kleine Archosaurier zurück. „Eine geringe Körpergröße erschwert die Wärmespeicherung bei Wirbeltieren, was angesichts der für die Trias charakteristischen klimatischen Extreme ein ernstes Problem darstellt“, schreiben die Studienautoren.

Aus demselben Grund, nämlich den kleinen Körper warm zu halten, könnte etwa zur selben Zeit bei den Vorfahren der Säugetiere das Fell entstanden sein. (dpa)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!