Friedensforschung : Ekkehart Krippendorff gestorben

Der Berliner Politikwissenschaftler und Friedensforscher Ekkehart Krippendorff ist tot. Er starb in Alter von 83 Jahren.

Ekkehart Krippendorff, emeritierter Professor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien an der Freien Universität Berlin.
Ekkehart Krippendorff, emeritierter Professor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien an der Freien Universität Berlin.Foto: picture alliance / Eventpress/Henry H. Herrmann

Der Politikwissenschaftler Ekkehart Krippendorff, einer der Begründer der Friedensforschung in Deutschland, ist tot. Der frühere Professor der Freien Universität (FU) Berlin starb in der Nacht zu Dienstag mit 83 Jahren in Berlin, wie seine Familie mitteilte. Krippendorf lehrte von 1978 bis 1999 am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Er schrieb auch zahlreiche Bücher zu Theater, Oper und Literatur.

Mit seinen pazifistischen Positionen, die zunächst in der Kritik am Vietnam-Krieg deutlich wurden, lieferte Krippendorff Anfang der 70er-Jahre Argumente für die Friedensbewegung. Seine Forderung nach einer „Bundesrepublik ohne Armee“ wurde von lokalen Initiativen aufgegriffen. Sein Sammelband „Friedensforschung“ gilt als Standardwerk.

Schwieriges Verhältnis zur FU

Krippendorff studierte zunächst in Freiburg und Tübingen. 1960 ging er mit einem Stipendium an die Universität Harvard, wechselte danach zur Yale University und dann an die Columbia University in New York. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er 1963 Assistent am Fachbereich Politische Wissenschaft der FU.

Der Vertrag wurde 1965 nicht verlängert, nachdem Krippendorff die FU-Spitze wegen der Absage von Einladungen der Studenten an den Enthüllungsreporter Erich Kuby und den Philosophen Karl Jaspers kritisiert hatte. Das löste heftige Proteste aus. Unter den Studenten wurde die Zeit als „Krippendorff-Semester“ bekannt.

Nach Stationen unter anderem in New York, Bologna und Urbino habilitierte er sich 1972 in Tübingen beim Politikwissenschaftler Theodor Eschenburg. 1978 bekam er den Ruf an die FU Berlin, die ihn einst vor die Tür gesetzt hatte. 1999 erschien sein Buch „Die Kunst, nicht regiert zu werden“, 2012 kamen seine autobiografischen Versuche „Lebensfäden“ heraus. (Tsp/dpa)

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