Gastkommentar : Für einen integrierten Pflanzenschutz

Wer Milliarden Menschen ernähren will, kommt ohne Agrochemie nicht aus, meint Hauptgeschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes, Henning Ehlers in einem Gastbeitrag.

Henning Ehlers
Henning Ehlers
Henning EhlersFoto: Deutscher Raiffeisenverband

Das Thema Pflanzenschutz spaltet die Gesellschaft zusehends, öffentliche Diskussionen werden immer hitziger geführt - bedauerlicherweise oftmals ohne jegliches Fachwissen. Dabei böte die vorbehaltsfreie Auseinandersetzung große Chancen, mit allen Interessenvertretern und Anspruchsgruppen verbesserte Konzepte zum Schutz der Nutzpflanzen vor Krankheiten und Schädlingen zu entwickeln.

Rückstandsarme Verwendung von Pflanzenschutzmitteln

Anstrengungen sind von allen Seiten nötig, um natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser und auch die Biodiversität zu erhalten und zu schützen. Dabei spielen innovative Verfahren der Pflanzenzüchtung ebenso eine wesentliche Rolle wie neue Ansätze für eine optimierte Düngung, durch die die Effizienz der Nährstoffaufnahme verbessert wird.

Durch effiziente und rückstandsarme Verwendung von Pflanzenschutzmitteln nach den Grundsätzen des Integrierten Pflanzenschutzes und dem Motto „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ leisten sehr viele Landwirte schon jetzt einen wichtigen Beitrag, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren.

Häufig wird die Forderung nach einer pauschalen Reduktion von Pflanzenschutzmitteln laut. Dies klingt vordergründig gut. Es wäre aber ein kompletter Irrweg. Um effizient wirtschaften und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel in ausreichender Menge produzieren zu können, wird es auch in Zukunft einer breiten Palette chemischer Pflanzenschutzmittel bedürfen. Dauerversuche des Julius-Kühn-Instituts, das im Auftrag des Bundes Kulturpflanzenforschung betreibt, zeigen die Folgen eines generellen Verzichts auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel: Bei Getreide zum Beispiel kann es zu Ertragsverlusten von 20 bis 75 Prozent kommen.

Verheerende Auswirkungen drohen

In der Europäischen Union ist die Zulassung und Verwendung von Pflanzenschutzmitteln klar geregelt. Die Zulassungsprozesse werden auf Grundlage von demokratisch legitimierten, wissenschaftlichen Prüfungsverfahren durchgeführt. Wenn – von bestimmten Interessengruppen – den damit beauftragten Institutionen das Vertrauen entzogen wird und wissenschaftliche Erkenntnisse geflissentlich ignoriert werden, führt dies zu einer Verunsicherung der Verbraucher und untergräbt die Autorität der relevanten Institutionen. Nicht nur der Agrar- und Ernährungswirtschaft drohen dann verheerende Auswirkungen. Auch andere auf wissenschaftliche Bewertungen angewiesene Bereiche der Wirtschaft sind dann existenziell bedroht.

Die Bundesregierung hat im Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) Ziele und Maßnahmen festgelegt, die nun konsequent umgesetzt und weiterentwickelt werden müssen. In diese Anstrengungen müssen die übrigen EU-Mitgliedstaaten einbezogen werden. Nationale Alleingänge helfen wenig - die Umwelt hat keine Grenzen.

Dr. Henning Ehlers ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes e.V.

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