Üben Frauen einen Beruf aus, halten Kinder ihn für leichter

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Gender in der Sprache : Feuerwehrfrauen und Geburtshelfer helfen bei der Berufswahl

Die Studie legt auch einen tiefliegenden gesellschaftlichen Sexismus offen: Die Kinder schätzen einen Beruf, sobald er auch von Frauen ausgeübt wird, als leichter erlernbar ein. Wie kommt das?

Tatsächlich sinkt immer dann, wenn Frauen ein berufliches Feld betreten, das durchschnittliche Einkommensniveau. Frauen übernehmen oft für weniger Geld die gleichen Aufgaben – weil sie darauf angewiesen sind, weil sie oft nur Halbzeit arbeiten können, aber auch, weil sie ihre eigene Arbeit nicht für wertvoll und sich selbst nicht für kompetent genug halten. Unsere Studie zeigt, dass schon kleine Kinder solche Geschlechterstereotype verinnerlicht haben. Das ist etwas, das wir beklagen und bekämpfen müssen.

Wie sehr ist geschlechtergerechte Sprache schon Mainstream?

Auch das haben wir in unserem Forschungsverbund untersucht. In der formalen Schriftsprache ist geschlechtergerechte Sprache relativ weit auf dem Vormarsch. Es gibt eine klare Zusage von politischen Organisationen, aber auch von Verlagen oder Universitäten. Wir sollten hier in Zukunft auch Sprachkompetenz schulen. Oft gibt es Formulierungen, mit denen wir geschlechtliche Zuschreibungen vermeiden können, wenn sie de facto irrelevant sind.

Die Wirtschaft beklagt immer wieder einen Mangel an weiblichem Nachwuchs. Sind Ihre Studienergebnisse schon in den Unternehmen angekommen?

In der Wirtschaft sehe ich noch nicht viel Bewegung, auch wenn das Thema inzwischen weitere Kreise erreicht. Aber wir sehen derzeit in mehreren Studien, dass ein kompetenzbezogenes Geschlechter stereotyp in Auflösung begriffen ist. Frauen reüssieren allmählich sichtbar über ihre Leistungen. Das alte Vorurteil, dass Frauen weniger kompetent seien als Männer, verschwindet entsprechend aus den Köpfen der Menschen.

In der Schriftsprache gibt es viele Möglichkeiten, geschlechtergerecht zu kommunizieren: Den Unterstrich wie in Ingenieur_in, das Binnen-I, ein Sternchen für alle Geschlechter wie in Ing* ... Schwieriger ist es im Mündlichen. Wie halten Sie es?

Ich wende in Vorlesungen und Vorträgen, aber selbst in informeller Kommunikation wie in E-Mails, durchgehend geschlechtergerechte Sprache an – und korrigiere das auch in den Hausarbeiten meiner Studierenden. Es geht darum, in der Gesprächssituation oder in der Schriftkommunikation immer wieder mentale Bilder beider Geschlechter zu aktivieren, damit wir auch an weibliche Personen denken. Eine Fußnote auf Seite eins, Frauen seien selbstverständlich mitgemeint, nützt da nichts. Aber die Menschen mögen keine hässliche, redundante Sprache. Man muss es geschickt machen und gute Sprachformen finden. Ich bin auch im ständigen Lernprozess.

Die Fragen stellte Anna-Lena Scholz

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