HU-Präsident Olbertz: Die 25 Prozent von Land sind "ein verlässlicher Grundstock"

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Gesundheitsforschung : BIG in Berlin - der Bund steigt groß ein

Obwohl hohe Erwartungen enttäuscht werden, sieht FU-Präsident Peter-André Alt in dem Geld „einen warmen Regen“. Er hofft, dass das Land seine Zusagen für die Unis vielleicht erhöht, weil nun nennenswerte Mittel von der Stifterin Quandt fließen. Die Fusion sei „ein großer Wurf“, sagt der Präsident der Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz. Die Zusagen des Landes reichten zwar nicht aus, um die Spitzenforschung an den Unis auf Dauer zu finanzieren. „Aber die 25 Prozent sind ein sehr wichtiger verlässlicher Grundstock.“ Hinter den Kulissen ist zu hören, dass bereits um andere Wege gerungen wird, wie die Bundesmittel den deutschen Unis nach dem Ende des Elitewettbewerbs 2017 erhalten bleiben. So sei denkbar, dass mehr Geld über neue Programme der Deutschen Forschungsgemeinschaft verteilt wird.

Schavan sieht in der Teilfusion ein Modellprojekt für die gesamte Republik: Der Bund steigt mit seinem Geld an ein paar ausgewählten universitären Einrichtungen mit nationaler Bedeutung dauerhaft ein. Schavan stößt dabei allerdings an die Grenzen der Verfassung, die dem Bund keine dauerhafte Förderung von Hochschulen erlaubt, so dass Umwege nötig sind. Am Dienstag warb Schavan noch einmal für eine Verfassungsänderung: „Sonst können wir solche Modelle wie in Berlin kaum dauerhaft machen.“ Sie kündigte gleichwohl an, an „anderen Standorten in Deutschland“ ähnliche Einrichtungen aufbauen zu wollen.

Skeptiker befürchten vor allem eine „Helmholtzifizierung“ der Wissenschaft, die das gesamte System aus der Balance bringt. Nicht zufällig führt Schavan die Charité mit dem MDC zusammen: Das MDC ist ein Helmholtz-Institut, das darum zu 90 Prozent vom Bund finanziert wird: Nur das Sitzland muss gefragt werden, ob es die Fusion möchte. Die Max-Planck-Gesellschaft und die Leibniz-Gemeinschaft sind viel stärker von Ländergeld abhängig, sind also als Partnerinnen schon deshalb weniger attraktiv.

Gerade erst hat die Helmholtz-Gemeinschaft ihren Führungsanspruch in der Wissenschaft selbstbewusst geltend gemacht – zum Kummer der anderen außeruniversitären Organisationen. In den sechs „Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung“, in denen Helmholtz-Zentren mit Uni-Klinika kooperieren, fühlen sich Uni-Mediziner untergebuttert. Die Finanzierungs- und Entscheidungswege begünstigen Helmholtz, erklärten Verbände der Uni-Mediziner.

Die Berliner Uni-Präsidenten sind also gewarnt. „Ich hätte mir die Vereinbarungen etwas konkreter gewünscht“, sagt FU-Präsident Alt. Allerdings werde sich manches erst noch zeigen. Die beiden Uni-Präsidenten zögen jedenfalls gemeinsam an einem Strang. Die Verabschiedung des Errichtungsgesetzes für das „BIG“ durch das Berliner Abgeordnetenhaus ist erst für 2014 geplant. Klar ist bisher, dass ein vierköpfiger Vorstand „BIG“ leiten wird. Neben drei Vertretern von Charité und MDC wird noch ein neuer Vorstandsvorsitzender gesucht. Das Institut wird auch einen Aufsichtsrat und einen wissenschaftlichen Beirat haben.

Eingefädelt hat das Vorhaben der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD). Es ist auch wahrscheinlich, dass Zöllner seinen Kontakt zur schwerreichen Charité-Stifterin Johanna Quandt nutzte, um sie für das Projekt zu interessieren. Zöllner ist seit April Vorstand der „Charité-Stiftung“, die die 86-jährige Johanna Quandt 2005 gründete. Quandt zählt als Anteilseignerin von BMW zu den reichsten Frauen Deutschlands. Der Charité fühlt sie sich als Enkelin des Arztes Max Rubner verbunden, der 1891 den dortigen Lehrstuhl für Hygiene von Robert Koch übernahm. Den Grundstein für das Vermögen der Quandts legte der Unternehmer Günther Quandt, der Vater von Johanna Quandts Mann Herbert. Über die tiefe Verstrickung von Günther Quandt und seinen Söhnen in die Verbrechen des Nationalsozialismus erfuhren viele Deutsche erst durch die Fernseh-Dokumentation „Das Schweigen der Quandts“ (2007). Der Familie wurde vorgeworfen, sich nicht um die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit bemüht zu haben.

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