Weniger hohe Preis, keine Subventionen - die Bio-Bauern trifft es doppelt

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Grüne Gentechnik : Saat der Zwietracht

Die zweite große Frage der Sicherheitsforschung ist, ob der Schädling resistent wird, sich also im Falle des Maiszünslers eine besonders widerstandsfähige Super-Larve herausbildet. Castañera analysierte eine Vielzahl von Studien. Seit der Einführung des Bt-Mais im Jahre 1997 seien weltweit fünf Fälle von Resistenzen gegen bestimmte Bt-Sorten bekannt geworden. „Das ist vergleichsweise wenig“, meint der Wissenschaftler. Schließlich sei es ganz normal, dass Schädlinge gegenüber den Wirkstoffen, die zu ihrer Bekämpfung eingesetzt werden, Resistenzen entwickeln. Wird ein bestimmtes Insektizid jahrelang großflächig angewendet, haben zwangsläufig jene Individuen einen Vorteil, die sich unter den Bedingungen des Pflanzenschutzmittels besser vermehren als ihre Artgenossen.

Im Ebro-Becken in Aragon sowie in den anderen spanischen Anbaugebieten wehrt der Bt-Mais den Schädling aber gleichbleibend gut ab. Selbst wenn auf Feldern fünf oder acht Jahre lang Bt-Mais wuchs, fanden Castañera und seine Kollegen dort keine resistenten Maiszünsler-Larven. Castañera begründet das mit einer erfolgreichen Strategie, die beispielsweise der Landwirt José Manuel Cebollada anwendet: Er pflanzt mitten in seine Felder auch herkömmliche Maissorten. So ist es im spanischen Überwachungsplan vorgeschrieben. „Schädlinge, die eventuell gegen das Bt-Gift immun werden, kreuzen sich dann mit den Schädlingen, die auf konventionellem Mais leben und folglich keine Resistenzen entwickeln,“ sagt Castañera. „Die Nachkommen sind nicht resistent.“

Die Bio-Landwirte sprechen von grundsätzlicher Unvereinbarkeit

Sowohl sein Team als auch das um Ramón Albajes von der Universität von Lleida, das ähnliche Studien durchgeführt hat, geben dem Bt-Mais spanienweit gute Noten. Die Sicherheitsbedenken haben sich nicht bewahrheitet, zeigen die umfangreichen Erfahrungen. Was nicht heißen soll, dass MON810 gar keine Probleme mit sich bringt. Für Cebolladas Nachbarn, die Ökobauern Aragons, bedeutet er handfeste Schwierigkeiten.

Die Bio-Landwirte sprechen von grundsätzlicher Unvereinbarkeit. Man müsse sich entscheiden – entweder Gentechnik auf den Feldern oder ökologischer Anbau. „Weil in Aragon immer mehr Genmais wächst, war es mir nicht mehr möglich, biologischen Mais anzubauen“, sagt der Bauer José Ballarín Cabellud. Denn wenn im Sommer Wind und Hitze die Pollen von Feld zu Feld tragen, kann der Blütenstaub von MON810 auf die Blütennarbe von Bio-Mais gelangen. Selbst wenn die Felder zweihundert Meter und weiter auseinanderliegen. Die Inspektoren des aragonesischen Ausschusses für ökologische Landwirtschaft weisen mit eigens dafür angefertigten Messgeräten Anteile des Bt-Mais unter den Bio-Maiskolben nach – sehr geringe Anteile.

Trotzdem bedeutet das Abschied nehmen von den erhofften Preisen für das Bioprodukt. Die Landwirte müssen das Korn so verkaufen, als ob es herkömmlich produziert wurde. Finanzielle Verluste ergeben sich auch, weil ihnen Subventionen gestrichen werden. In Aragon liegen sie bei jährlich 136 Euro pro Hektar für Bio-Mais. Für konventionellen Mais, Bt-Mais oder eben Bio-Mais mit Spuren der genveränderten Pflanze gibt es keinen zusätzlichen Cent. „In Spanien wächst immer weniger Bio-Mais“, sagt Víctor Gonzálvez von der spanischen Gesellschaft für ökologischen Landbau.

Es gibt eine Möglichkeit, friedlich zu koexistieren

Dabei wäre es möglich, die Felder der Öko-Bauern für die Pollen des genveränderten Mais unerreichbar zu machen. Die Biologen um Jeroni Galmés von der Universität der Balearischen Inseln ermitteln auf ihren Versuchsfeldern einen Mindestabstand. Den Standort gibt der Forscher nicht preis. Er befürchtet, dass Umweltaktivisten die Felder zerstören würden. Der Widerstand gegen den Bt-Mais ist auf Mallorca groß, wie auch in einigen anderen Regionen Spaniens. So viel verrät Jeroni Galmés dann doch: Die Felder befinden sich in bester Lage, „fast direkt an der Küste. Hier herrschen extreme Bedingungen. Der Wind vom Meer trägt die Pollen des transgenen Mais ins Landesinnere, wo konventioneller Mais wächst.“ Trotzdem reicht selbst bei starkem Wind eine Distanz von 30 Metern zwischen den Feldern – sofern das Land dazwischen ebenfalls mit Mais bewachsen ist. Die Pflanzen bilden eine weitere Barriere.

Ob Galmés’ Forschung dazu beitragen kann, dass Bt-Mais und Öko-Mais künftig friedlich koexistieren, ist ungewiss. „Wir liefern den Politikern mit unseren Studien Daten. Entsprechende Regeln können nur sie festschreiben“, sagt er. Allerdings hat sich bisher kein Politiker für seine Ergebnisse interessiert.

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