Warum Rankings Studierenden nicht weiterhelfen

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Hamburgs Uni-Präsident Dieter Lenzen : "Rankings sind Unfug"

Der Wissenschaftsrat hat für einige Fächer ein Forschungsrating erarbeitet, das wissenschaftlichen Maßstäben genügen soll. Die Historiker sind dennoch ausgestiegen: Der Ertrag lohne den Aufwand nicht, hieß es. Taugt auch dieses Rating nichts?

Es gibt zwei sinnvolle Leistungsbewertungsverfahren. Das eine ist die anlassbezogene Evaluation, die der Wissenschaftsrat seit langem erfolgreich durchführt. Das zweite Instrument ist in der Tat das Rating. Hier erfahren Hochschulen, wo sie ungefähr im Gefälle der Bundesrepublik stehen, ohne dass die Bewertung auf einfache Skalierungen reduziert wird. Seriöse Verfahren kosten aber Zeit und Geld. Der Aufwand darf dennoch nicht zu groß werden. Man könnte einen Kerndatensatz erheben, der auch für andere Zwecke herangezogen werden kann. Etwa für die Berichte, in denen die Hochschulen jährlich den Landesregierungen ihre Leistungen darlegen. Das würde die Hochschulen insgesamt entlasten. Das setzt voraus, dass sich Bund und Länder auf die Erhebung eines solchen Kerndatensatzes einigen. Eine Einrichtung müsste die Daten pflegen. Das könnte zum Beispiel eine zukünftige Aufgabe des Hochschul-Informations-Systems (HIS) sein.

Für den Vergleich europäischer Hochschulen finanziert die Europäische Kommission ein multidimensionales Ranking. 2013 soll es erste Ergebnisse geben. Ist ein öffentlich getragenes Ranking eine Alternative?

Staatlichkeit schützt nicht vor unseligen Rangfolgen, allenfalls vor falschen Daten. Man wird sich über die Legitimation unterhalten müssen. Es wird häufig argumentiert, die Leistungsschwächeren würden sofort die Ärmel aufkrempeln. Dafür gibt es keine empirischen Evidenzen. Sozialpsychologisch hat es eher den gegenteiligen Effekt. Der Einzelne guckt sich an, wo seine Universität oder sein Fach steht, und sieht: Die Besten können wir nie erreichen. Und er wirft schnell die Brocken hin.

Unirankings wollen Studienbewerbern den Vergleich von Unis einfacher machen. Welche Alternativen sehen Sie für Abiturienten, die bei der Suche nach einem Studienplatz Informationen suchen?

Ob die Bibliothek tausend Bücher mehr oder weniger hat, ist im Studienalltag doch irrelevant. Wenn Studierende ihr Studium abbrechen, waren sie sich meistens über die Inhalte nicht im Klaren. Nehmen Sie Studienanfänger in der Soziologie. Die müssen für sich klären: Interessieren sie sich für eine quantitative Orientierung der Soziologie? Oder für Sozialtheorien? Welche Uni ist bei meinen Interessen die richtige? Da helfen Rankings nicht weiter. Wir müssen Studienanfängern also qualitative Informationen geben, nicht arithmetisierte. Self Assessments, wie sie einige Unis anbieten, sind da ein Schritt in die richtige Richtung.

Gehen Sie davon aus, dass andere Unis ihrem Beispiel folgen werden?

Wir haben bereits mehrere Anrufe von Hochschulleitungen erhalten, die wissen wollen, wie man das macht. Zumindest wird es einen Diskussionsanstoß geben, wie man Rankings interpretiert und dass man viele als Spielchen betrachten sollte. Der Erfinder des Times Higher Education Rankings hat gesagt: Ich würde meine Entscheidungen nie von Rankings abhängig machen. Entwaffnender kann man es nicht formulieren.

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