Wie Hochschulen Rankings manipulieren

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Hamburgs Uni-Präsident Dieter Lenzen : "Rankings sind Unfug"

Universitäten sind der Forschung verpflichtet. Ist es vertretbar, dass sie sich der Erforschung der eigenen Stärken und Schwächen entziehen?

Bei solchen Befragungen handelt es sich doch überhaupt nicht um Forschung. Bei einem Forschungsprojekt der DFG über Universitäten würden wir dagegen immer davon ausgehen, dass es methodisch okay ist und mitmachen. Ein anderes Beispiel: Wenn das Ahelo-Projekt der OECD tatsächlich durchgeführt wird …

... eine Art Pisa-Studie für Unis, bei der die Kompetenzen von Studierenden untersucht werden sollen und für die gerade eine Machbarkeitsstudie durchgeführt wird …

… könnten interessante Erkenntnisse zu erwarten sein. Kernfragen sind doch: Was muss eine Uni im Unterricht leisten? Wie und wo können Studierende ihre Wissensstrukturen am besten verändern? Ahelo könnte vielleicht Antworten darauf geben, ob und wie wir das messen können.

Für Deutschland ist das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) maßgeblich. Dem CHE wird zugutegehalten, differenziert vorzugehen. Trotzdem kommt es zu Boykotten, jüngst von den Soziologen, die kritisieren, die Befragung von Studierenden sei empirisch unzulänglich. Sehen Sie beim CHE auch Verzerrungen?

Na klar. Das CHE mag zwar drei Gruppen von Hochschulen bilden anstatt einzelne Plätze zu vergeben. Doch auch da wird suggeriert, man könne die Gruppen trennscharf unterscheiden, was Unsinn ist. Es kommen andere Probleme hinzu. Ich will das an einem Beispiel für die FU illustrieren, das mir noch präsent ist. Da wurde die Jurisprudenz sehr schwach bewertet, was im Wesentlichen an der schlechten Bibliothek liegen sollte. Nun ist die juristische FU-Bibliothek die größte in Europa, da bekommt man alles, was man sich vorstellen kann. Wir sind diesem Widerspruch nachgegangen. Folgendes stellte sich heraus: Ein Professor hatte sich über Budgetkürzungen für die Bibliothek geärgert. Er sagte allen Studenten: Ihr werdet demnächst befragt, ihr müsst alle schreiben, die Bibliothek ist schlecht, dann kriegen wir wieder mehr Geld. Das haben die Studenten dann gemacht. Es gibt eine Fülle von Beispielen, wo Hochschulleitungen, Institute, Studierende Einfluss nehmen auf die Antworten und so Verzerrungseffekte erzeugen.

Das CHE lädt Unis ein, an Verbesserungen mitzuarbeiten. Warum klappt das nicht?

Wir haben den Casus in der Hochschulrektorenkonferenz diskutiert. Wir sind der Auffassung, dass das nur dann akzeptabel ist, wenn wir die Parameter und die Untersuchungsmethoden selber bestimmen können.

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