Hochschule : Studierende meiden Kredite

In Deutschland nehmen nur wenige Studierende ein Darlehen auf - und deren Anzahl geht in den vergangenen Jahren weiter zurück, zeigt eine neue Analyse.

Studierende sollten vor einem Kredit andere Finanzierungsformen prüfen, rät das CHE.
Studierende sollten vor einem Kredit andere Finanzierungsformen prüfen, rät das CHE.Foto: imago/Future Image

In Deutschland finanzieren sich wenige Studierende mit einem Kredit. Aktuell nutzen rund 100 000 Studierende, also 3,5 Prozent der 2,7 Millionen an den deutschen Hochschulen Immatrikulierten, einen Studienkredit. Das ergibt der jährlich erscheinende Studienkredite-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Die Zahl derjenigen, die sich mit einem Darlehen finanzieren, ist dabei in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. Schlossen im Jahr 2013 noch 35 000 einen neuen Kredit ab, waren es 2017 rund 23 000.

Die mit Abstand am meisten wahrgenommenen Darlehen stammen von zwei staatlichen Anbietern, Es handelt sich um den Studienkredit der KfW-Bankengruppe und den Bildungskredit des Bundesverwaltungsamts, auf die 2017 fast 92 Prozent aller Vertragsabschlüsse entfielen. Beim KfW-Kredit können Studierende maximal 650 Euro im Monat aufnehmen. Das Bundesverwaltungsamt richtet sich an Studierende in einer fortgeschrittener Phase, sie können maximal 300 Euro pro Monat über maximal zwei Jahre hinweg beantragen.

Die Kosten für die Kredite sind unterschiedlich

Die CHE-Analyse macht deutlich, dass die Kosten für die Kredite durchaus unterschiedlich sind. Zwar hätten Anbieter mit „extrem hohen“ Zinssätzen ihre Angebote eingestellt (dazu gehörten die Deutsche Bank und die DKB). Die Spanne sei daher „nicht mehr so weit gestreckt wie in der Vergangenheit“. Die KfW liegt mit einem Zinssatz von 3,55 Prozent aktuell am oberen Ende, das Bundesverwaltungsamt nimmt mit einem Zinssatz von 0,72 Prozent deutlich weniger. Zinsfrei sind vor allem Angebote von einzelnen Studierendenwerken. Die Berliner Studentische Darlehnskasse liegt mit 2,0 Prozent im Mittelfeld.

Darlehnsnehmerinnen und -nehmer sollten vor allem darauf achten, ob schon bei Vertragsschluss feststeht, welcher Zinssatz für die Rückzahlungsphase gilt. Wird das erst nach Ende der Studiums vereinbart, könnten auf Absolventen bei der Rückzahlung böse Überraschungen warten. Bei der KfW kann man gleich bei Abschluss einen festen Satz vereinbaren. Tut man das nicht, drohen auch hier variable Sätze. Insgesamt empfiehlt das CHE Studierenden, zunächst alle anderen Formen der Finanzierung zu prüfen: Seien es Bafög, Stipendien oder Unterstützung durch die Eltern. Auch ein studienfachnaher Nebenjob könne ein großes Plus für den Berufseinstieg bedeuten und daher sinnvoller als ein Kredit sein.

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