Hochschulen in Großbritannien : Professoren wollen über 60 Unis bestreiken

14 Streiktage in vier Wochen: Mit einem Ausstand wollen britische Professoren und Dozenten gegen die Privatisierung ihrer Rentenkasse protestieren.

Campus der University of London.
Zukunftsangst. Der Arbeitgeberverband Universities UK (UUK) will die Rentenbeiträge der Professoren künftig an der Börse handeln.Foto: Toby Melville/REUTERS

In der Bibliothek der SOAS University of London herrscht Hochbetrieb. Viele Studierende sichern sich wichtige Bücher für die kommenden Wochen und kopieren Lehrmaterial. Denn ab kommenden Donnerstag soll ihre Universität wie über 60 weitere Unis und Colleges in Großbritannien lahmgelegt werden. In dem nach Gewerkschaftsangaben größten Akademikerstreik in der Geschichte Großbritanniens sollen dann alle Vorlesungen und Seminare ausfallen.

Die Gewerkschaft University and College Union (UCU), der landesweit rund 190.000 Lehrkräfte angehören, will an insgesamt 14 Streiktagen über die kommenden vier Wochen die Arbeit niederlegen. Die Professoren und Dozenten kämpfen für ihre Altersvorsorge, denn im Zuge einer geplanten Rentenreform des Arbeitgeberverbands Universities UK (UUK) sollen ihre Rentenbeiträge an der Börse gehandelt werden. Die Gewerkschaft rechnet pro Person im Schnitt mit Einbußen von etwa 10.000 Pfund (über 11.000 Euro) pro Jahr.

Sie wollen Eingänge von Unis und Bibliotheken abriegeln

Klausur- und Hausarbeitstermine wurden bereits verschoben, auch E-Mails wollen die Lehrkräfte offiziell in der Streikphase nicht beantworten. Landesweit wollen die Professoren und Dozenten die Eingänge zu ihren Hochschulen und Bibliotheken mit Streikpostenketten abriegeln, um den laufenden Betrieb völlig zum Stillstand zu bringen.

Viele Studenten sind stinksauer. „Natürlich will ich, dass meine Professoren eine faire Rente bekommen. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wenn das auf den Rücken der Studenten ausgetragen wird“, sagt Merve Kania. Die Berlinerin ist für ihren Master nach England gezogen und studiert Politik an der SOAS University of London. Sie selbst bekommt ihr Studium durch Stipendien finanziert, doch viele ihrer Kommilitonen zahlen aus eigener Tasche: 9000 bis 11.000 Pfund müssen britische und EU-Studenten für einen Ein-Jahres-Master zahlen, Nicht-EU-Ausländer mindestens 18.000 Pfund.

Studierende fordern Studiengebühren zurück

„Ich kann verstehen, wenn jetzt viele ihr Geld zurück wollen“, sagt Kania. Sie hat eine von vielen Petitionen unterschrieben, in denen Studenten Teile ihrer Studiengebühren zurückfordern.

Laut UUK befindet sich das derzeitige Renten-System in einer Krise und weist ein Finanzierungsdefizit von 7,5 Milliarden Pfund auf. Dies solle mit der Reform ausgeglichen werden, um „nachhaltige und attraktive Renten für ihre Mitglieder zu gewährleisten“. (dpa)

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