Infektionen bei Neugeborenen : Frühe Therapie könnte HIV zurückdrängen

In Afrika infizieren sich noch immer täglich hunderte Kinder mit HIV. Eine neue Studie zeigt: Die Therapie sollte möglichst direkt nach der Geburt beginnen.

Je früher HIV-infizierte Neugeborene Medikamente bekommen desto besser, zeigt eine neue Studie.
Je früher HIV-infizierte Neugeborene Medikamente bekommen desto besser, zeigt eine neue Studie.Foto: imago images/Panthermedia

Tagtäglich infizieren sich 300 bis 500 Kinder in Afrika südlich der Sahara mit HIV. Meist passiert dies kurz vor oder während der Geburt: Viren gehen dann von der Mutter auf das Kind über. Sie schwächen das noch unfertige Immunsystem, was innerhalb von Monaten zum Tod führen kann.

Eine frühe Therapie innerhalb von Stunden nach der Geburt kann das Virus aber offenbar zurückzudrängen und die Immunantwort stärken. Das schreibt ein Team um Mathias Lichterfeld vom Brigham and Women's Hospital in Boston im Fachblatt „Science Translational Medicine“.

Nach bisheriger Empfehlung der WHO sollen Kinder, die sich während der Geburt mit HIV anstecken, innerhalb weniger Wochen mit Medikamenten behandelt werden. Lichterfeld und seine Kollegen untersuchten nun erstmals systematisch, wie es sich auswirkt, wenn die Therapie sofort nach der Geburt beginnt.

Dafür analysierten sie über zwei Jahre Blutproben von zehn Kindern in Botswana, bei denen die antiretrovirale Therapie im Schnitt innerhalb von sieben Stunden nach der Geburt begonnen wurde. Die Ergebnisse verglichen sie mit denen von zehn weiteren Kindern, die erst nach vier Monaten behandelt wurden.

Das Immunsystem bekämpfte das HI-Virus effektiver

Bei den früh therapierten Kindern fanden sich signifikant weniger virusinfizierte Zellen, sogenannte Reservoirzellen. Gleichzeitig bekämpfte ihr Immunsystem das Virus effektiver als das von Kindern, die später Medikamente erhielten.

Ihn begeistere, „dass eine verhältnismäßig kleine Änderung im Zeitplan der Therapie einen großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben könnte“, wird Lichterfeld in einer Mitteilung seiner Klinik zitiert. Mit zehn Kindern ist die Studie zu klein, um eine Reform der Empfehlungen zu bewirken. Aber wenn sich die Ergebnisse bestätigen, könnte sich die Behandlung von Neugeborenen mit HIV grundlegend ändern.

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