Kostenneutral wird Inklusion kaum gelingen

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Inklusion an Schulen : Holprig zum Miteinander

Was Eltern und Lehrer allein nicht ausgleichen können, sind die vielen neuen Aufgaben, die bei inklusivem Unterricht auf die Schulen zukommen. Das beginnt damit, dass Lernstoff für unterschiedliche Gruppen aufbereitet werden muss und noch viele barrierefreie Gebäude fehlen. Kinder mit Aufmerksamkeitsschwierigkeiten brauchen öfter Pausen, für Autisten ist eine Pause dagegen „Horror pur“, wie Bärbel Wohlleben vom Berliner Landesverband „Autismus Deutschland“ sagt. Außerdem hapert es bei den benötigten doppelten Lehrerbesetzungen in Klassen sowie an ausreichend Lehrern mit sonderpädagogischer Ausbildung. Grundschulen und Integrierte Sekundarschulen sind häufig schon gut aufgestellt. Gymnasien mit ihrem Fokus auf kognitive Leistungen sind laut Baumgardt schlechter für Inklusion ausgerüstet, obwohl Schüler mit körperlicher oder emotional-sozialer Behinderung hier durchaus hingehören.

Kostenneutral wird Inklusion kaum gelingen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung schätzt die Kosten bundesweit auf jährlich 660 Millionen Euro. Für Brandenburg gebe es einen zusätzlichen Bedarf von 626 Lehrern, in Berlin von 864 Lehrern bis 2020. Der Berliner Bildungssenat meint dagegen, man könne allein durch die Verschiebung von ehemaligen Sonderschullehrern an Regelschulen auf ein inklusives System umsteuern.

Ein anderes Problem sind die gedeckelten Fördermittel: Manchen Schülern stehen nur anderthalb Förderunterrichtsstunden in der Woche zu. „Irrwitzig“ nennt Demmer von der GEW diese Zahl. „Solche Stunden bringen leider oft mehr Unruhe als Unterstützung.“ Wenn lernschwache Schüler nicht zeitweise in Kleingruppen konzentriert würden, schade Inklusion ihnen am Ende sogar.

Den Weg zur Inklusion geht jedes Bundesland für sich. Dass Synergieeffekte geschaffen werden oder „man sich abgucken kann, wie man es nicht macht“, wie Demmer sagt, gelinge dem föderalen System nicht. So kommt es, dass, nachdem alle losgestürmt sind, nun das Nachbessern folgt. In Mecklenburg-Vorpommern ist Ruhe eingekehrt, seit der neue Bildungsminister Lehrern besser zuhört, heißt es. In Berlin hat man die Inklusion auf das nächste Schuljahr verschoben.

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