Israelisch-deutsche Partnerschaft : Gemeinsam forschen in Tel Aviv

Die Helmholtz-Gemeinschaft eröffnet ein Büro in Israel, um die Wissenschaftskooperation zu stärken.

Das Weizmann-Institut in Tel Aviv, eine Partnereinrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft.
Das Weizmann-Institut ist eine Partnereinrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft.Foto: mauritius images

Die Zusammenarbeit zwischen israelischen und deutschen Forschern stärken, wichtige Zukunftsthemen gemeinsam mit Israel anpacken: Dieses Ziel verfolgt die Helmholtz-Gemeinschaft. Die Forschungsgemeinschaft eröffnete am Montagabend eine Dependance in Tel Aviv. Bei einem Festakt auf Einladung der deutschen Botschafterin in Israel wurden die guten Wissenschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern gelobt.

Mit dem Büro möchte die Helmholtz-Gemeinschaft, die in Deutschland 18 große Zentren betreibt, auch neue Kontakte zu Forschungseinrichtungen und Unternehmen knüpfen.

"Top-Level"

„In vielen wissenschaftlichen Bereichen wie der Medizin, der Chemie oder Physik, der Umwelt- oder Energieforschung bietet das Land Spitzenwissenschaft auf internationalem Top-Level“, sagte Helmholtz-Präsident Otmar Wiestler. Auch bei der Digitalisierung in der Forschung sei Israel Weltspitze, auf diesem Gebiet erhoffe man sich von der Kooperation besonders viel. Erst im September hatte die Helmholtz-Gemeinschaft angekündigt, jährlich 35 Millionen Euro in neue Informationstechniken zu investieren.

Weiterhin soll das neue Auslandsbüro den Austausch von Nachwuchswissenschaftlern fördern und dazu beitragen, dass künftig einige Israelis in Helmholtz-Zentren in Deutschland forschen. Außerdem wolle man die Rolle von Frauen in der Wissenschaft stärken.

Hohe Forschungsausgaben

Israel gab 2016 mehr als 4,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Forschung aus. Das ist einer der höchsten Werte weltweit. In Deutschland waren es im selben Jahr nur 2,9 Prozent. Israel ist besonders für seine Innovationen in der Hightech- und Biotechbranche und zahlreichen Start-ups bekannt, allein etwa 6000 im Raum Tel Aviv. Durch die Zusammenarbeit erhofft man sich auch, neue Technologien schneller in die Praxis zu überführen. „In Deutschland machen wir viele wissenschaftliche Entdeckungen, aber es dauert oft zu lange, bis daraus Anwendungen werden“, sagte Wiestler. Hier hoffe man, von Israel lernen zu können.

Passenderweise befindet sich das neue Helmholtz-Büro in einem Coworking Space im Herzen von Tel Aviv, wo besonders viele Existenzgründer arbeiten. Geleitet wird es von Billy Shapira, der ehemaligen Vizepräsidentin der Hebrew-University in Jerusalem. Es ist nach den Vertretungen in Brüssel, Moskau und Peking das vierte Auslandsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft.

Personalisierte Medizin

Die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel haben eine lange Tradition. So arbeitet das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg seit mehr als 40 Jahren mit israelischen Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammen. Aktuelle Projekte beschäftigen sich etwa mit Tumorimmunologie oder personalisierter Medizin. Erst vergangenes Jahr hatte Helmholtz eine Kooperation mit dem Weizmann-Institut gestartet, einer der wichtigsten Wissenschaftsorganisationen in Israel. Am Weizmann-Helmholtz Laboratory for Laser Matter Interaction ist das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf beteiligt. Ziel ist die Entwicklung hochintensiver Laser, mit denen sich extrem schnell ablaufende biologische oder chemische Prozesse beobachten lassen. Die Technik könnte auch in der Strahlentherapie bei der Behandlung von Tumoren zum Einsatz kommen.

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