Jürgen Zöllner : „Ich habe in Berlin viel gelernt“

Sollte Ihr Nachfolger in der Kultusministerkonferenz den Kampf gegen die Lehrerverbeamtung führen?

Derzeit halte ich das für sinnlos. Die meisten Länder haben noch mehr Nachwuchssorgen als wir und würden schon deshalb die Verbeamtung beibehalten, weil sie einen Wettbewerbsnachteil fürchten.

Folgt daraus nicht, dass Berlin dann auch wieder mit der Verbeamtung anfangen muss?

Trotz aller zugegebenen Schwierigkeiten werden wir mit diesen Problemen nicht schlechter fertig als andere Bundesländer.

Noch.

Was in der Zukunft ist, muss man dann entscheiden, wenn man die Entwicklung besser abschätzen kann. Wir stellen aber heute schon die Weichen, um Referendare stärker an die Stadt zu binden.

Wozu warten? Es ist doch schon jetzt beispielsweise klar, dass es einen Mangel an Physik- und Mathematiklehrern gibt.

Das ist in den Ländern, die verbeamten, nicht anders. Die können ihre Stellen auch nicht ohne Weiteres besetzen. Ich will die Lage nicht schönreden. Es gibt ein objektives Problem. Das lässt sich aber nicht allein auf das Faktum „Verbeamtung“ reduzieren.

Wie kann Berlin seine Schlusslichtposition in Schulrankings loswerden? Was fehlt jetzt noch – nach all den Reformen und dem Qualitätspaket?

Berlin hat viele sehr leistungsfähige Schüler, die bei Ländervergleichen immer eine Spitzengruppe darstellen. Unser Problem ist, dass wir im Bundesvergleich prozentual besonders viele Schüler auf ganz niedrigem Kompetenzniveau haben, so dass die Stadt insgesamt bei Rankings schlecht abschneidet. Und mit dieser Gruppe kommen die anderen Länder auch nicht besser zurecht als wir. In Berlin muss die Schulreform jetzt gelebt werden. Und dann müssen wir auf die Ergebnisse schauen. All das, was notwendig ist, um ein Optimum an individueller Förderung und Chancengleichheit herzustellen, ist entweder ganz erfüllt oder zumindest auf den Weg gebracht. Frühkindliche Sprachförderung, Kita-Beitragsfreiheit, Kita-Bildungsprogramme, Ganztagsunterricht, duales Lernen: Die Rahmenbedingungen stimmen.

Dennoch prangern verzweifelte Eltern und Lehrer Unterrichtsausfall und Überforderung an – wie auch im zuletzt bekannt gewordenen Brandbrief aus Neukölln. Macht Ihnen die Botschaft „Wir können nicht mehr“ keine Angst?

Ich nehme jede dieser Botschaften ernst. Nachdem ich mit den Betroffenen gesprochen habe, ist ihre Haltung oft eine andere. So ist Berlin das einzige Bundesland, das die Unterrichtsverpflichtung gesenkt hat. Und es gibt zusätzliche Personalressourcen, Schulen in sozialen Brennpunkten können bis zu 50 Prozent mehr Lehrkräfte bekommen. Probleme müssen in Zusammenarbeit mit meinem Haus, den Schulaufsichten vor Ort und der Schule gelöst werden.

Eine erlassene Stunde an den Sekundarschulen fällt kaum ins Gewicht angesichts der vielen Stunden, die vorher durch den Wegfall der Altersermäßigung hinzugekommen waren.

In den anderen Bundesländern wurde die Arbeitszeit auch verlängert.

Wie Zöllner die Hochschulen auf Trab gebracht hat: Lesen Sie weiter auf Seite drei.

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