Jürgen Zöllner : „Ich habe in Berlin viel gelernt“

Bei den Hochschulen übernahmen Sie in Berlin ein gut bestelltes Feld. Dennoch haben Sie eine neue Hochschulfinanzierung durchgesetzt – und damit einen funktionierenden Bereich unnötig durcheinandergewirbelt?

Als ich hier anfing, hatte Berlin 20 000 Studienanfängerplätze, jetzt sind es bald 31 000. Allein durch die Ankündigung eines neuen Finanzierungssystems hatten die Hochschulen plötzlich ein großes Interesse daran, zusätzliche Plätze aufzubauen. Genau das wollte ich erreichen. Auch das Anreizsystem in der Forschung war richtig gesetzt, die Drittmitteleinnahmen werden kontinuierlich gesteigert. Also doch gut gewirbelt.

Der Senat will für den Abiturienten-Doppeljahrgang weitere 6000 neue Studienplätze schaffen, aber die Hochschulen sagen, dass das Geld dafür nicht wirklich „frisch“ ist. Bekommen die Studienanfänger ab diesem Wintersemester Plätze zweiter Klasse?

Mit Sicherheit nicht. Zwar stimmt es, dass sich die Mittel vom Senat daran orientieren, was schon aufgebaut worden ist. Doch die Präsidenten, die sich jetzt beklagen, haben offenbar vergessen, dass wir wegen des großen Ansturms auf die Hochschulen 62 Millionen Euro, die erst 2012 fällig waren, schon in diesem Jahr zahlen. Außerdem haben die Hochschulen acht Millionen frisches Geld vorfristig überwiesen bekommen wegen der ja auch für uns überraschenden Aussetzung der Wehrpflicht.

Mit der Einstein-Stiftung, die exzellente Forschung fördern soll, gab es von Anfang an Ärger. War die Stiftungsidee mit der heißen Nadel gestrickt?

Ich hätte mein ursprüngliches Modell einer gemeinsamen Institution der Universitäten mit den Außeruniversitären, bei der die Politik außen vor geblieben wäre, gegen die Präsidenten durchsetzen sollen. In den Verhandlungen wurde die Struktur dann immer komplizierter. Das haben wir vor einem Jahr zurückgedreht, und jetzt wächst die Akzeptanz. Die Universitäten sehen, dass sie mit der Einstein-Stiftung beispielsweise Professoren berufen können, die sie sich früher nicht leisten konnten.

Sie befürworten den Vorschlag der Bundesforschungsministerin, die Charité teilweise in eine Bundesförderung zu übernehmen. Wäre es nicht konsequent, wenn der Bund die beiden Mutteruniversitäten der Charité, die FU und die HU, teilweise mit übernimmt?

Wir müssen einen Weg suchen, der mit dem Grundgesetz und den dort vorgesehenen Möglichkeiten der Kooperation von Bund und Ländern vereinbar ist. Was in Berlin geschieht, muss auch für andere Länder ein gangbares Modell sein, sonst stimmen sie nicht zu. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg finden, der zugleich der Charité und anderen exzellenten Bereichen der Berliner Wissenschaft zugute kommt. Spitzenforschung muss auf Dauer von Land und Bund gemeinsam gefördert werden.

Wo Zöller die Berliner Wissenschaft in 20 Jahren sieht: Lesen Sie weiter auf Seite vier.

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