Karriereplanung von Studierenden : „Das persönliche Profil schärfen“

Rosmarie Schwartz-Jaroß berät im Career Center der HU Berlin Studierende, wie sie ihre Karriere besser planen können. Ein Interview.

Rosemarie Schwartz-Jaroß.
Rosemarie Schwartz-Jaroß.Foto: Martin Ibold

Was sollten Studierende bei ihrer Berufswahl beachten?

Sie müssen über den Tellerrand schauen. Sie sollten sich nicht bloß in ihrem fachlichen oder wissenschaftlichen Bereich bewegen, sondern studienbegleitende Praktika und mit ihrer Laufbahn korrespondierende Nebenjobs absolvieren, damit sie für potenzielle Arbeitgeber attraktiv werden. Es geht darum, das persönliche Profil zu schärfen.

Das Career Center leistet Beratung auf mehreren Ebenen. Was ist im Angebot?

Wir haben verschiedene Formate, neben Einzel- auch Gruppenberatungen und öffentliche Veranstaltungen. Die Fragen vieler angehender Absolventen ähneln sich und lassen sich durch Info-Seminare vorwegnehmen.

Wie gestaltet sich die individuelle Laufbahnberatung? Wie eruieren Sie – abgesehen von der jeweiligen Fächerkombination – welcher Berufsweg zum jeweiligen Absolventen passt?

Wir fragen nach den Wünschen und Bedürfnissen des Einzelnen. Darauf gehen wir dann ein, erörtern, in welche Richtungen es gehen könnte und besprechen mehrere in Frage kommende Berufsfelder. Außerdem raten wir zum Erwerb studienbegleitender Zusatzqualifikationen, um ideale Bedingungen für den Berufseinstieg zu schaffen.

Aus welchen Fachbereichen kommen die meisten Studierenden zu Ihnen?

Ganz klar aus den Geisteswissenschaften, aber auch viele Juristen finden ihren Weg hierher. Das ist mittlerweile auch so eine Klientel, bei der man sagt, dass sie es nicht einfach haben, den Sprung ins Berufsleben zu schaffen. Von den Naturwissenschaftlern tun sich nur die Biologen schwer. Mehr oder weniger einfach haben es nach wie vor die Wirtschaftswissenschaftler und derzeit die Erziehungswissenschaftler.

Was geben Sie denn einem Geisteswissenschaftler in der Regel mit auf den Weg?

Momentan empfehlen wir ihnen, dass sie ihre geisteswissenschaftlichen Kompetenzen durch pädagogische erweitern sollen, das erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Außerdem kommt hier das Stichwort Zusatzqualifikationen besonders zum Tragen. Ein Soziologe wird für ein Unternehmen in dem Moment interessant, in dem er zusätzlich zu seinem wissenschaftlichen Know-how eine Bilanz lesen kann. Ich würde mir aber auch wünschen, dass die Universitäten der Wirtschaft den Wert von Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern besser vermitteln.

Kommen auch Absolventen, die überhaupt nicht wissen, was sie mit dem Studierten anfangen sollen?

Dass einer schöngeistige Literatur studiert, um zu schauen, wie die Welt funktioniert, kommt immer seltener vor, vor zehn Jahren gab es das noch häufiger. Die jungen Leute sind schon ziemlich gut aufs Studium vorbereitet und haben wenigstens eine ungefähre Ahnung, wo es mit ihnen hingehen soll.

Hängt das mit der Bachelorisierung zusammen? Hat diese eine Tendenz zur Karriereorientierung befördert?

Das ist mit Sicherheit so, auch wenn ich es nicht belegen kann. Das Studium um seiner selbst willen kommt jedenfalls immer seltener vor. Das ist eine andere Generation heute. Die Studierenden sind viel disziplinierter geworden und setzen sich ganz anders unter Druck als früher.

Gibt es überhaupt noch so etwas, wie dauerhafte Berufsbiographien?

Nein. Die Zeit ist dermaßen schnelllebig geworden. Dass jemand so wie ich über 15 Jahre denselben Arbeitgeber hat, ist die absolute Ausnahme. Wir raten daher grundsätzlich zu Offenheit, Experimentierfreude und Flexibilität.

Haben Sie das Gefühl, das Gros der Studierenden verlässt ihre Beratung mit einem dezidierten Plan im Kopf?

Die meisten brauchen nur einen Denkanstoß oder eine objektive Bestätigung für das, was sie ohnehin schon wollten.

- Rosmarie Schwartz- Jaroß leitet das Referat Beruf und Wissenschaft bei der Studierendenberatung der Humboldt-Universität. Sie hat selbst von 1985 bis 1990 an der HU studiert. Dieser Text erschien in der Beilage "Humboldt-Universität 2015".

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