Kita und Grundschule : Mehr Bildung für kleine Kinder

Das neue "Gute-Kita-Gesetz" greift zu kurz, sagen Bildungsforscher. Was wirklich passieren muss, damit kleine Kinder sich besser entwickeln

Bessere Bildung für die Kleinsten. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, SPD, präsentiert das neue Kita-Gesetz.
Bessere Bildung für die Kleinsten. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, SPD, präsentiert das neue Kita-Gesetz.Foto: imago/photothek/Florian Gaernter


Gerade hat die Bundesregierung sich auf ein „Gute-Kita-Gesetz“ geeinigt, da melden sich die Bildungsforscher der Leibniz-Gemeinschaft zu Wort. Das „Gute-Kita-Gesetz“ ist zwar ein Schritt auf dem Weg zu mehr Qualität – aber es greift zu kurz, erklärten Katharina C. Spieß, Leiterin der Abteilung Bildung und Familie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Olaf Köller, Leiter des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) am Dienstag in Berlin.
Spieß und Köller präsentierten 22 Empfehlungen, die sie gemeinsam mit anderen Bildungsforscherinnen und -forschern des Leibniz-Forschungsverbunds Bildungspotenziale (LERN) erstellt haben. Die Wissenschaftler kritisieren vor allem den regionalen Flickenteppich, der verhindere, dass gute Ansätze auch in die Fläche getragen werden.
So müssten frühe Hilfen für benachteiligte Familien – zum Beispiel die „Babylotsen“ des Klinikums Neukölln, die Eltern beraten – flächendeckend und nachhaltig implementiert werden. Kitas sollten breite Förderangebote integrieren und zu Familienzentren entwickelt werden, „da die Familien als Ganzes und nicht das Kind allein als Adressat des Bildungsauftrags gelten“.
Große regionale Unterschiede, die bildungswissenschaftlich nicht zu rechtfertigen seien, stellen die Forscher bei der frühen Bildung fest. So wiesen die Bildungspläne für Kitas erhebliche Unterschiede auf – manche seien nicht einmal verbindlich. Auf bundesweite Mindeststandards habe das „Gute-Kita-Gesetz“ offenbar bewusst verzichtet, weil schon mehrere Bundesfamilienministerin mit ihren Vorstößen an den Ländern gescheitert seien, wie Spieß bedauerte.

Qualität zuerst - Gebühren sollen gestaffelt werden

Die großen Unterschiede bei den Kita-Gebühren sollten reduziert werden, schlagen die Forscher vor. Es müsse über eine bundesweit einheitliche Gebührenordnung diskutiert werden. „Da für uns Qualität den Vorrang hat, würden wir die Gebühren nicht vollständig abschaffen“, sagte Spieß. Eine Festlegung einer einkommensabhängigen Staffelung fehle aber leider im „Gute-Kita-Gesetz“.
Pädagogische Fachkräfte sollten besser bezahlt und besser ausgebildet werden. Für wichtige Bereiche wie Sprachförderung oder Mathematik gebe es bislang kaum Vorgaben. Ein bundesweiter Rahmenplan müsse entwickelt werden, der festlege, welche Qualifikationen die Erzieherinnen und Erzieher brauchen.

Angesichts der wachsenden Zahl von Kinder mit Migrations- oder gar Flüchtlingshintergrund betonen die Forscher, dass Sprachförderung allein nicht ausreicht. Diese Kinder müssten breit gefördert werden. Die in den Unterricht am Vormittag integrierte Förderung sei nicht ausreichend. In der Grundschule müsse das Ganztagsangebot systematisch darauf ausgerichtet werden. Das am Nachmittag tätige Personal müsse sich mit den Lehrkräften am Vormittag abstimmen.

Der Bund kann besser steuern, meinen die Forscher

Die Forscher loben, dass es bei der Finanzierung in manchen Ländern bereits eine Abkehr von der Gießkanne gibt. Es sei richtig, Schulen in schwierigen Lagen mit mehr Mitteln zu unterstützen: „Das wünschen wir uns in allen Ländern“, sagte Köller. Entsprechend wollen die Forscher sich auch auf keinen Personalschlüssel für die Kitas festlegen. Was eine Einrichtung brauche, hänge von ihrer Klientel ab. Ungleiches solle ungleich behandelt werden.
Angesichts des Flickenteppichs in der frühen Bildung wünschen sich Spieß und Köller einen größeren Einfluss des Bundes. Nicht, weil dieser Bildung besser als die Länder könne, sondern weil er über Geld die Entwicklungen leichter steuern könne. Vom geplanten Nationalen Bildungsrat erwarten sich Spieß und Köller aber nicht mehr Dynamik. Für das Schulwesen hätten die Länder ja schon erklärt, sich ihre Kompetenzen nicht aus den Händen nehmen lassen zu wollen. Und bei den Kitas falle es schon den Ländern schwer, „die bunte Trägerschaft zu steuern“, wie Köller sagte: „Der Bildungsrat wird weniger Einfluss haben als der Wissenschaftsrat.“

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