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Kleiner als der Asteroid des kleinen Prinzen : Die Erde hat gerade einen zweiten Mond

Den großen Mond, gut 380.000 Kilometer entfernt, zuletzt 1972 von Menschen besucht, kennt jeder. Aber es gibt zurzeit noch einen weiteren Begleiter.

Blick auf einen kleinen Teil der Milchstraße am nächtlichen Sternenhimmel im Landkreis Märkisch-Oderland.
Blick auf einen kleinen Teil der Milchstraße am nächtlichen Sternenhimmel im Landkreis Märkisch-Oderland.Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa

Am 15. Februar entdeckten Astronomen des Catalina Sky Survey Teleskops, das in Tucson, Arizona, steht und nach Asteroiden fahndet, einen Himmelskörper, der wie der Mond um die Erde kreist. Das berichtet das Astroportal „EarthSky.org“.

„Kurz nachdem mein Teamkollege Teddy Pryne und ich das Objekt entdeckt hatten, haben wir den Orbit bestimmt und stellten fest, dass es von der Erdanziehungskraft eingefangen wurde“, berichtet Kacper Wierzchos dem Tagesspiegel. Er sei noch unklar gewesen, ob es ein natürliches oder künstliches Objekt, etwa Raumfahrtschrott, sei. Er habe es daraufhin „möglichen Mini-Mond“ genannt.

Maximal 3,5 Meter groß

Wie das Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union jetzt mitteilt, hätten mittlerweile mehr als 50 Beobachtungen die Existenz des Körpers namens 2020 CD3 bestätigt. Laut Wierzchos handelt es sich bei dem Begleiter um einen Asteroiden mit einer Größe zwischen 1,9 und 3,5 Metern.

Er kreist aktuell in 2,6-facher Mondentfernung um die Erde. Die Analyse des Orbits legt nahe, dass der Brocken vor drei Jahren in einen Erdorbit gelangte. Die modellierte Umlaufbahn hat mit der gewohnten Ellipse des großen Monds aber wenig gemein, es ist eher ein wildes Hin und Her, das den Bezug zur Erde allenfalls erahnen lässt.

Nicht "kaum größer als ein Haus", wie beim "Kleinen Prinzen", sondern sogar kleiner ist der Asteroid (grün), der derzeit ähnlich dem Mond um die Erde kreist.
Nicht "kaum größer als ein Haus", wie beim "Kleinen Prinzen", sondern sogar kleiner ist der Asteroid (grün), der derzeit ähnlich...Foto: Catalina Sky Survey

Nur ein kleiner Brocken - aber es sei „eine große Sache“, schreibt Wierzchos auf Twitter, dass aus rund einer Million bekannter Asteroiden nun erst der zweite identifiziert wurde, der die Erde umkreist.

Der andere, „2006 RH120“, wurde ebenfalls vom Catalina Sky Survey entdeckt und umkreiste 2006/2007 viermal die Erde, bevor er sich wieder entfernte. Aktuell ist das wenige Meter große Objekt auf einem Rundkurs um die Sonne.

Auch 2020 CD3 wird vom Minor Planet Center bezeichnet als „Objekt, das zeitweise an die Erde gebunden ist“. Dies geschieht, wenn die Bahn von Asteroiden nahe der Erde so gestört wird, dass sie einige Monate oder Jahre bei ihrem Umlauf um die Sonne in der Nähe der Erde bleiben und diese dabei von der Erde aus gesehen einige Male umrunden.

Langfristig stabil ist diese Umlaufbahn aber nicht, weshalb Astronomen nicht von einem „zweiten Mond“ sprechen. Das gilt auch für 2020 CD3, der Wierzchos zufolge in rund einem Monat den Erdorbit verlassen und auf eine sonnengebundene Bahn zurückkehren wird.

Nicht jeder Kurzzeitmond kann der Erde wieder entkommen

Die Flucht nach vorn gelingt nicht jedem „zeitweiligen Mini-Mond“, er kann auch auf der Erde enden. Dies ist wahrscheinlich im August 2016 passiert. Damals ging ein Meteor über Südaustralien nieder.

Forscher um Patrick Shober von der Curtin University in Perth rekonstruierten das Geschehen und fanden heraus, dass das Objekt mit nur elf Kilometern pro Sekunde ziemlich langsam war, bevor es verglühte.

Sie vermuten, dass es sich um einen Asteroiden handelte, der ebenfalls zuvor von der Schwerkraft der Erde eingefangen und so abgebremst worden war. Sie berichteten darüber 2019 im „Astronomical Journal“.

Künftig könnten dank Survey-Teleskopen solche Ereignisse vielleicht auch vorhergesagt werden, schreiben Shober und sein Team.

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